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EUROPA LÄSST ENGLAND DEN EUROPA-BUS SAUSEN?

aus DER SPIEGEL 2/1961

Am Neujahrstag 1961 ist die Spaltung Westeuropas in zwei getrennte Zollgebiete wiederum deutlicher geworden. Die sechs Länder des Gemeinsamen Marktes der EWG senkten an diesem Tag untereinander ihre Zölle um weitere zehn Prozent in Richtung Null. Die sieben Länder der Europäischen Freihandelsgemeinschaft (Efta) aber sitzen noch wie vor jenseits der Zollmauer, die das Gebiet der Sechs umschließt. Nicht einmal offizielle Verhandlungen über einen Zusammenschluß waren zwischen den beiden Zollklubs im Gange. Einige der Gründe dafür liegen klar zutage - der supranationale Ehrgeiz der Europa-Föderalisten von der Art des Professors Hallstein und die Vision des Generals de Gaulle von einem französisch geführten Kontinent. In beiden Konzeptionen scheint für die Sieben der Efta, besonders aber für deren Kernmacht Großbritannien, kein Platz zu sein. Weniger klar war, wie die Engländer selbst die Dinge sehen. Von dem traditionellen Argwohn, das perfide Albion wolle lediglich die Ansätze zu einem geeinten Kontinentaleuropa ersticken, reicht die Skala der Interpretationen bis zu der These, Großbritannien dränge ohne Zögern und Hintergedanken auf enge Gemeinschaft mit den Sechs. Eine Untersuchung an Ort und Stelle erweist, daß England nicht mehr so streng europafeindlich ist wie früher. Der Strukturwandel, den das Land bei einer Vereinigung mit dem Kontinent durchzumachen haben würde, erregt zwar die Experten, wird aber nicht mehr als untragbar angesehen. Es herrscht sogar leichtes Unbehagen angesichts der Tatsache, daß im vergangenen Jahr in der EWG die Wirtschaftsentwicklung günstiger war als in England. Allerdings bleibt die Skepsis, ob Großbritannien im Klubhaus der Sechs überhaupt willkommen sei.

In einem stillen Bürozimmer des Hauses Nr. 38 der Londoner Parliament Street hält in diesen Wintertagen ein 68jähriger am leise rauschenden Gaskamin zuweilen Mittagsschlaf. Man wird ihn kaum dabei stören. Sir Archibald Gordon, Direktor des englischen »Rats für die Europäische Bewegung«, verwaltet in seinen Aktenschränken vornehmlich Erinnerungen an jene Vision eines Europa-Staats, in deren Namen ein Jahrzehnt zuvor junge Enthusiasten Grenzpfähle verbrannt und alte Enthusiasten Vereine gegründet hatten.

Wenn Sir Archibald diesen Träumen nachgrübelt, entsinnt er sich der tönenden Sentenzen eines anderen Engländers, gesprochen in der Züricher Universität am 19. September 1946. Winston Churchill rief zum Europa-Kreuzzug auf:

»Ich wünsche heute über die Tragödie Europas, dieser Quelle christlichen Glaubens und christlicher Ethik, vor Ihnen zu sprechen ... In ausgedehnten Gebieten Europas starrt eine Menge gequälter, hungriger ... Menschen die Ruinen ihrer Städte und Heimstätten an ... Trotzdem gibt es ein Heilmittel, das ... die ganze Szene wie durch ein Wunder verwandeln ... könnte ... Wir müssen eine Art Vereinigter Staaten von Europa errichten.«

Der Kreuzzug ist gescheitert - und nicht nur, weil Winston Churchill und seine englischen Gesinnungsgenossen ihr eigenes Land nie so recht zu Europa zählen wollten. Einen Steinwurf von Sir Archibalds Refugium muß sich Edward Heath. Lordsiegelbewahrer Ihrer Britannischen Majestät und Regierungs -Beauftragter für europäische Fragen, an seinem Schreibtisch im spätklassizistischen Prunkbau des Foreign Office mit einer ganz anderen Wirklichkeit auseinandersetzen.

Zwar hat sich die Szene wie durch ein Wunder verwandelt. 170 Millionen der Hungernden von 1946 - Franzosen, Italiener, Belgier, Holländer, Luxemburger und Westdeutsche - produzierten in ihrer Europäischen -Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) 1960 mehr Stahl als die Sowjet-Union, verfügten über stabilere Währungen und erreichten ein rascheres Wachstum von Industrie und Außenhandel als die USA oder Großbritannien.

Aber es gibt keine Vereinigten Staaten von Europa. England sieht sich mit seinen Partnern der Europäischen Freihandelsgemeinschaft (Efta), mit Schweden, Norwegen, Dänemark, Österreich, der Schweiz und Portugal, in einer kaum verheißungsvollen Außenseiter -Position. Edward Heath ist deshalb weniger mit den Quellen christlicher Ethik als damit beschäftigt, dem Vereinigten Königreich Zutritt zum exklusiven Klubhaus der prosperierenden Sechs zu verschaffen.

Der 44jährige Lordsiegelbewahrer trägt seinen ehrwürdig-bedeutungslosen Titel mit der Gelassenheit eines studierten Philosophen und gelernten Bankiers, der zudem während seiner Studienzeit in Oxford die Kirchenorgel beim Gottesdienst spielte. Er verfolgt sein Ziel nicht mit dem lauten Pathos der Alt-Europäer, auch nicht mit der aggressiven Konferenzmanier des heutigen Handelsministers Reginald Maudling, der Ende 1958 in Paris das gemeinsame Außenzollsystem der sechs EWG-Länder ebenso gereizt wie erfolglos einzureißen versuchte.

Seit im Juli vergangenen Jahres das Foreign Office und Edward Heath mit den Verhandlungen um den vielberedeten Brückenschlag zwischen den beiden Wirtschaftsblöcken betraut wurden, haben die Briten zur lautlosen Kammerdiplomatie zurückgefunden. »Wir haben unsere Methode, ein Übereinkommen zu erlangen, gründlich geändert«, erläutert Heath.

So ist aus Churchills Fanfarenstoß von 1946 inzwischen das diskrete Geräusch geworden, mit dem Ministerialdirektor Dr. Gunther Harkort vom Bonner Auswärtigen Amt und Ministerialdirektor Dr. Meyer-Cording vom Bundeswirtschaftsministerium am 28. November 1960 ihre Aktentaschen im Foreign Office aufschnappen ließen. Es war das zweite und bislang letzte Brückenschlag-Gespräch deutscher und britischer Experten des hinteren Gliedes, und die beiden deutschen Herren hatten wegen Nebels auf dem Flughafen Wahn ihren Weg nach London nur schwer finden können.

Bei diesen Sessionen geht es nicht um die Vereinigten Staaten von Europa, sondern allein darum, wie die Handelsinteressen beider Seiten und ihrer Partner bei einer möglichen Verschmelzung der Blöcke gewahrt werden könnten. Wenn Deutsche und Engländer eine Möglichkeit ausknobeln, den Absatz neuseeländischer Butter in England oder den Schutz französischer Autos vor der britischen Konkurrenz zu sichern, dann, so ist das Kalkül, mögen sich die Sechs und die Sieben zur großen Zollunion bereitfinden.

Wann, das weiß auch Edward Heath nicht. Aber er weiß, daß am 1. Januar 1961 jene Entwicklung einen Sprung tat, die zu einer neuen Auflage der »Tragödie Europas« führen könnte. An diesem Tag wurden

- die Zollschranken zwischen den sechs EWG-Ländern um weitere zehn Prozent auf nunmehr nur noch 70 Prozent ihres früheren Standes gesenkt und

- die Zölle der Sechs gegenüber Nicht -EWG-Ländern um ein erstes Stück dem späteren gemeinsamen Außenzoll angenähert.

Die Barrieren quer über Europas alte Handelswege hinweg wurden gemäß dem Beschleunigungsplan des Professors Hallstein (SPIEGEL 15/1960) errichtet, ohne daß mehr als unverbindliches Expertengeplauder dem Widersinn entgegenwirkte.

Vom 1. Januar 1961 an werden beispielsweise englische Automobile bis zwei. Liter Hubraum bei ihrer Einfuhr in die Bundesrepublik mit einem Zoll von 16,9 Prozent belastet, Autos - aus den EWG-Partnerländern der Bundesrepublik nur mit 11,5 Prozent. Für elektrische Haushaltswaschmaschinen betragen die entsprechenden Zollsätze 10,1 Prozent und sieben Prozent, für Kühlschränke bis 250 Liter 6,2 Prozent und 3,5 Prozent.

Lordsiegelbewahrer Heath weiß überdies, daß das Jahr 1960 schon die ersten ominösen Folgen der Spaltung gebracht hat - und daß sein Land mehr darunter litt als der kontinentale Sechserverband (siehe Graphik).

An der Jahreswende 1960/61 ist schon spürbar, was bislang nur ein Schemen schien: Der Wirtschaftsblock der Sechs erzeugt größere Wachstumsenergien als der der Sieben; England, einziger Großer im Efta-Verband der Kleinen, kann die Tourenzahl der zusammengeschalteten Leistungen Frankreichs, Westdeutschlands und Italiens nicht erreichen; 170 Millionen Menschen in der Mitte sind stärker als verstreute 90 Millionen am Rande.

Um so erstaunlicher ist das bestenfalls mäßige Interesse, das in den Direktionskontoren der City zur Schau getragen wird. Die Manager der britischen Wirtschaft weigern sich, die Lage für prekär zu halten.

Die Gewissenserforschung, ob der Inselstaat sich dem Kontinent überhaupt anschließen solle, ist längst noch nicht beendet. Sie findet per Saldo immer noch stärkere Argumente dagegen als, dafür. Der Brückenschlag zum Kontinent genießt etwa die gleiche Popularität wie das seit Jahrzehnten dilatorisch behandelte Projekt eines Tunnels unter dem Ärmelkanal.

Zwar ist es allgemein üblich geworden, der Idee eines handelspolitisch geeinten Europas uneingeschränkt Hochachtung zu zollen. Der Typ des Colonel Blimp, des bärbeißigen Empire-Reaktionärs, ist, wenn nicht ausgestorben, so doch gut getarnt. »Das«, spöttelt der Journalist Christopher Layton vom »Economist«, »hält man hier geradezu schon für Europa-Begeisterung.«

Der Devotionsformel folgt jedoch meist ein eindrucksvoller Katalog von Gründen, die einen Beitritt Englands problematisch erscheinen lassen. Die Gründe gliedern sich in

- psychologische,

- politische und

- wirtschaftliche.

Sie spiegeln das Bild jenes komplexen Verhältnisses zum franko-deutschen Kontinent, das die protestantische Weltmacht Großbritannien, die älteste Industrienation der Welt, aus der Vergangenheit mit sich schleppt.

»Sehen Sie,« doziert etwa ein Direktor der Bank Philip Hill, Higginson, Erlangers Ltd., fast jeder Engländer hat eine Tante in Johannesburg oder einen Vetter in Sydney oder wenigstens einen Schulfreund irgendwo im Commonwealth. Aber fragen Sie mal herum, wer einen Freund auf dem Kontinent hat.« Die Bank Philip Hill ist eine ansehnliche Kreditbank mit Geschäftsbeziehungen nach Amerika und Südafrika, Direktor Arthur Maxwell Stamp ist ein welterfahrener Finanzmann, Berater der Bank von England, und will seine Darstellung vom antikontinentalen Insulaner natürlich nicht auf sich bezogen wissen. Aber er beherrscht das Thema recht beredt.

»Selbst die Amerikaner sind uns noch vertrauter als die Kontinentaleuropäer, und auch die Skandinavier - vielleicht, weil sie wortkarg, protestantisch und seebefahren sind.« Was The Honourable Arthur Maxwell Stamp da vorträgt, ist seit Jahrzehnten in dem Klischee »All wogs begin at Calais« treffend ausgedrückt - etwa: Hinter Calais gibt's nur noch Katzelmacher.

Das alte Klischee hat noch 1961 Münzwert. Die Spuren des Empire sind jedem Londoner noch täglich sichtbar, die City wimmelt von den imposant-häßlichen Verwaltungsgebäuden der Bank of Montreal, Consolidated Gold Mines of South Africa, Bank of Nova Scotia und zahlloser anderer Commonwealth -Firmen. Beim Schaufensterbummel in der Innenstadt bieten sich überall die Werbephotos an, mit denen Commonwealth-Regierungen englische Touristen oder Arbeitskräfte anlocken.

Viele Engländer lassen sich locken. Von 1950 bis 1958 verließen 1,1 Millionen Menschen den Inselstaat, um sich in Gebieten des ehemaligen Empires eine neue Existenz zu suchen.

Eine überraschende Variante des Blimp-Weltbildes spielt bei den linken Gewerkschaftlern seine Rolle. Mr. Hargreaves von der wirtschaftspolitischen Abteilung des britischen Gewerkschaftskongresses (TUC, Gegenstück zum westdeutschen DGB), drückt es so aus: »Wir machen uns natürlich Gedanken darüber, was es für unsere Gewerkschaften bedeuten würde, wenn England mit den erzkapitalistischen Regierungen der EWG-Staaten solche einschneidenden Verträge abschließen würde.«

Ein Echo zu solchen Ressentiments lieferte der - sozialdemokratische - Staatssekretär im schwedischen Handelsministerium, Cederwalls. In einem Zeitungsartikel wehrte er eine engere Zusammenarbeit mit der EWG unter anderem deshalb ab, »weil die führenden Länder dieser. Gemeinschaft heute von reaktionären Regimen mit teilweise stark katholischen Bindungen beherrscht werden«.

* Alle derartigen Vorbehalte gegen eine enge Bindung an die sechs Länder des Gemeinsamen Marktes finden ihr Korrelat in den wirtschafts- und handelspolitischen Denkgewohnheiten britischer Ökonomiker aller Sparten. Die eingefahrenen Gleise des englischen Außenhandels laufen heute noch in der Richtung, die ihnen im 18. und 19. Jahr, hundert gegeben würde: England hat

viele Jahrzehnte lang in einem ingeniösen, sozusagen autarken Handels - und Zahlungssystem unabhängig vom Kontinent floriert.

Die Industrie begnügte sich, neben dem Binnenmarkt vorwiegend die leicht zugänglichen Märkte des Empire und anderer kaum industrialisierter Überseegebiete zu beliefern. Was vor 257 Jahren mit dem englisch-portugiesischen Handelsvertrag - Wollwaren gegen Portwein - modelliert wurde, bestimmt heute noch die Handelsstruktur: Über 50 Prozent der britischen Ausfuhr gingen 1958 in jene wenig industrialisierten Länder, aus denen das Vereinigte Königreich umgekehrt rund 80 Prozent seiner landwirtschaftlichen und Rohstoffeinfuhren bezog. Dagegen lieferte England in die westeuropäischen Industriestaaten der OEEC (Europäischer Wirtschaftsrat) nur 25,5 Prozent seiner Gesamtausfuhr.

Auch hochqualifizierte britische Fachleute haben sich daran gewöhnt, die Abneigung englischer Industrieller gegen: den harten Wettbewerb auf den Märkten anderer Industriestaaten mit einer Art ökonomischen Gesetzes zu rechtfertigen. So kann man etwa von Lord Chandos, dem früheren Kolonialminister Oliver Lyttelton und jetzigen Generaldirektor des Elektrokonzerns Associated Electrical Industries, die alte Fabel hören, Exportanstrengungen auf dem Kontinent seien angesichts der dort hochentwickelten einheimischen Industrien sicher nicht sehr aussichtsreich.

Daß die Bundesrepublik gerade in die OEEC-Staaten über 60 Prozent ihrer Gesamtausfuhr liefert, wissen natürlich auch Lord Chandos und andere Verteidiger der bequemen englischen Art, zu exportieren. Sie neigen jedoch auch heute noch dazu, die deutschen Exporterfolge lediglich mit nicht immer sympathischen Charaktereigenschaften der Teutonen zu erklären.

Unter der langgewohnten Selbstbescheidung der Produzenten hat naturgemäß die Expansivkraft der gesamten Wirtschaft gelitten. Nicht nur sind die Investitionen in England (ohne Wohnungsbau und Verteidigung) beispielsweise in den Jahren 1954 bis 1959 mit 181,8 Milliarden Mark wesentlich geringer gewesen als etwa die der westdeutschen Konkurrenz (205,3 Milliarden Mark), auch die Produktivität, das heißt, die Leistung je Arbeiter, ist in diesem Zeitraum nur etwa halb soviel gestiegen wie in der Bundesrepublik.

»Vieles bei uns ist noch 19. Jahrhundert«, geben die Manager der United Dominions Trust Ltd., der größten britischen Teilzahlungsbank, bekümmert zu. »Die Produktion ist in viel zuviele, zu kleine und oft veraltete Einheiten aufgesplittert. Und die ganze Infrastruktur - unser Straßennetz, die Eisenbahnen, die Häfen - ist unzureichend.«

Mit einprägsamer Übertreibung behauptet ein Direktor des Elektro-Unternehmens Hoover Ltd.: »Eibe Ware von Manchester nach London auf der Straße zu befördern, kostet wahrscheinlich oft mehr, als sie nach Johannesburg zu bringen.«

Die traditionelle Unlust, der kontinentalen Konkurrenz auf ihren eigenen Märkten entgegenzutreten; hat somit im Jahre 1961 auch ihre aktuelle Variante: In der englischen Industrie, ähnlich wie in der französischen vor Abschluß des EWG-Vertrags, kennt man heute die Furcht vor den - wirklich oder eingebildet - stärkeren Verkaufsbataillonen der anderen Industriestaaten. Die Zollschranken zwischen dem Sechserblock und dem eigenen Markt haben ihre Verteidiger.

Recht simpel liegt der Fall etwa für die britische Textilindustrie. Sie hat erst vor wenigen Jahren eine Krise überwunden, die aus der Überbesetzung der Branche entstanden war. Heute, mit Regierungshilfe saniert, findet sie befriedigenden Absatz auf dem Binnenmarkt und in den skandinavischen Ländern. Sir Ernest Goodale, Präsident des britischen Textilinstituts und Produzent von Dekorationsstoffen, sieht für seine Branchenkollegen wenig Anlaß, sich um die zollpolitische Verbrüderung mit den europäischen Textilfabrikanten zu bemühen:

»Im Gemeinsamen Markt gibt es ja auch schon zu viele, da würden wir in eine ganz Scharfe Konkurrenz stoßen. Wir haben jetzt in Skandinavien sehr gute Erfolge erzielt, haben sogar die deutschen Lieferanten zurückdrängen können. Im ganzen ist unsere Textilindustrie nicht betrübt über die Spaltung.«

Aber auch in einer rationell arbeitenden Sparte wie der Automobilindustrie, die 52 Prozent ihrer Fertigung exportiert und durch die Rückschläge im Amerika-Export samt Kurzarbeit und Entlassungen erst jüngst auf die potentiellen Vorteile eines großen europäischen Absatzgebiets hingewiesen wurde, ist der Drang in den großen europäischen Markt nicht gerade stürmisch. Beim Autokonzern des Lord Rootes beispielsweise, der Rootes Motor Ltd., betrachtet man das Problem mit durchaus temperiertem Interesse.

Obwohl die Gesellschaft 1961 und 1962 insgesamt 435 Millionen Mark neu zu investieren gedenkt, und obwohl ein Sohn des Konzernchefs, Brian Rootes, Mitglied eines »Exportrats für Europa« ist, neigt die Rootes-Leitung zur Vorsicht. Sie hält, sollte es zum Brückenschlag kommen, eine Übergangszeit von nicht weniger als 14 Jahren für notwendig.

Die bisherigen Ausfuhrergebnisse der britischen Automobilindustrie nach den Ländern des Gemeinsamen Marktes könnten solches Zögern allerdings gerechtfertigt erscheinen lassen. Sie hat im Jahr 1959 aus ihrer Gesamtproduktion von 1,56 Millionen Kraftfahrzeugen nur 42 054 oder knapp drei Prozent an die EWG verkauft. Nach Westdeutschland gingen ganze 5338 Fahrzeuge oder 0,3 Prozent.

Gerade an solchen mageren Resultaten entzündet sich jedoch der Eifer jener nicht übermäßig zahlreichen Engländer, die ihr Land lieber heute als morgen mit der Freihandelsgruppe der Sechs vereinigt sehen würden. Sie sitzen etwa in den Redaktionsstuben der Wochenzeitungen »Economist« und »Observer«, des »Guardian« oder der »Financial Times«, sie verleihen Organisationen wie »Political and Economic Planning« (PEP) oder »Britain in Europe« ihren aggressiven Schwung.

Zum großen Teil sind es junge, gutinformierte Intellektuelle, die das Nachkriegseuropa meist besser kennen als die Meinungsführer der Industrie, der Parteien oder der Gewerkschaften. Sie sehen deutlicher die Gefahren, die in Englands überkommener Wirtschaftsstruktur lauern, sie kennen die Notwendigkeit hoher Wachstumsraten für eine moderne Industrienation und sagen, manchmal überpointiert, voraus, daß England zurückfallen werde. Es sind die zornigen jungen Männer auf Englands Europabühne.

Diese Rebellen, etwa Christopher Layton vom »Economist« oder der im Lande auch als Fernsehkommentator renommierte Andrew Shonfield vom »Observer«, der nicht mehr ganz so junge Direktor Lingeman von »Britain in Europe« und die Anglo-Amerikanerin Miriam Camps von PEP wollen der britischen Industrie eine Zollgemeinschaft mit den Kontinentalstaaten geradezu als Schocktherapie verschreiben.

Die erbarmungslose Konkurrenz, so argumentieren sie, werde die Produzenten auf der Insel zwingen, mittels Rationalisierung ihre Kosten zu senken, ihre Waren durch moderne Ausstattung und Form wettbewerbsfähig zu machen, den Ausstoß zu forcieren. »Wo ist denn in der Efta das Wachstumspotential?« ereifert sich der Mann von Hoover. »Hier, allein hier in Großbritannien. Niemand kann erwarten, daß im schwedischen oder schweizerischen Markt für unsere Industrie eine große Zukunft liegt.«

Tatsächlich finden sich kaum Fachleute, die im Efta-Markt einen vollwertigen Ersatz für die Zugehörigkeit zur EWG sehen. Die optimistischsten unter ihnen halten dafür, daß steigende Umsätze mit den Efta-Partnern die drohenden Verluste im EWG-Handel ausgleichen könnten.

Der Hoover-Direktor, dessen Staubsauger- und Waschmaschinen-Firma voll Überzeugung auf seiten der zornigen Europäer Englands steht, sieht es so: »Halten können wir unsere heutige Position vielleicht. Aber wir brauchen mehr, wir brauchen Wachstum. Und dazu müssen wir die Tür zu den Sechs offenhalten.«

Bei Hoover wird auch eine weitere Folge der englischen Außenseiterrolle sehr deutlich vorausgesehen: »Der Gemeinsame Markt wird die kontinentalen Firmen zu Zusammenschlüssen und damit zu Produktionsgrößen treiben, bei denen wir nicht mehr mithalten können.« So haben beispielsweise die französischen Waschmaschinen-Fabriken Laden, Surmelec und Gallay mit der holländischen Gesellschaft Philips die Errichtung eines gemeinsamen Werks in Amiens beschlossen.

Hoovers Exportfreudigkeit ist für England ebenso untypisch wie seine Exporterfolge: Die Firma liefert 85 Prozent aller aus England ausgeführten Waschmaschinen; 17 Prozent ihrer Waschmaschinen und zwölf Prozent ihrer Staubsauger gingen 1960 in EWG -Länder. Auf dem hart umkämpften westdeutschen Markt für Waschmaschinen hat sich die Gesellschaft in der Auseinandersetzung mit solchen Konkurrenten wie AEG und Miele immerhin einen Marktanteil von drei Prozent sichern können, bei Staubsaugern hält sie den gleichen Anteil.

Typischer hingegen ist ein anderer Aspekt der Hooverschen Firmenpolitik - die Firmenleitung erwägt seit Jahren, ob die zollpolitische Spaltung von Dauer sein und mithin massive Investitionen innerhalb des Gemeinsamen Marktes rechtfertigen werde.

Solche Unsicherheit ist naturgemäß bei Unternehmen, die ins Gebiet der Sechs exportieren, weit verbreitet. Sie hat dazu geführt, daß in vielen Fällen bislang weder das kontinentale Tochterwerk errichtet noch das englische Werk erweitert wurde, und hat somit als Investitionsbremse gewirkt.

In anderen Fällen haben sich britische Gesellschaften bereits zum Sprung in die EWG entschlossen. So errichtete etwa die Traktorenfabrik Massey-Harris-Ferguson für 34 Millionen Mark ein Zweigwerk in Frankreich, der Papierkonzern Bowater engagiert sich in Belgien, Italien und Frankreich, die Firma Willmot-Breedon, Englands größterProduzent von Autozubehör, baut ein Werk in der Nähe von Reims für 2000 Beschäftigte. Insgesamt investierten englische Unternehmen von 1958 bis zum Ende des ersten Halbjahres 1960 rund 1,4 Milliarden Mark im Gebiet der EWG.

Aber auch diese Folge der Spaltung erfüllt die Verfechter eines Zusammengehens der beiden Blöcke keineswegs mit Genugtuung. Sie heben hervor, daß etwa Massey-Harris wahrscheinlich sein Werk in Coventry vergrößert haben würde statt in Frankreich zu investieren, wenn die Spaltung nicht wäre. Industrielle Kapazität und Arbeitsplätze gehen folglich der britischen Wirtschaft verloren, solange britische Firmen die Zollbarriere zwischen England und dem europäischen Kontinent als unabänderlich ansehen.

Wie lange sie das noch tun müssen, ist indes, trotz der in der britischen Wirtschaft tief verwurzelten Scheu vor einer Neuorientierung in Richtung Kontinent, in erster Linie eine Frage der Außenpolitik. Obwohl sich die Regierung in Whitehall keineswegs einem massiven Druck der Produzenten ausgesetzt sieht, ein Arrangement mit den Sechs herbeizuführen, würde sie 1961 auch nicht auf massive Opposition von dieser Seite stoßen, wenn sie ein solches Arrangement herbeiführte. Die hohe Zeit der Blimps ist vorüber.

Überdies sind die wirtschaftlichen Anpassungsprobleme, die bei einer Zusammenführung des Vereinigten Königreichs mit den EWG-Staaten zu lösen wären, längst auf traktable Größe reduziert. Es handelt sich im wesentlichen noch darum, für

- die wirtschaftlichen Beziehungen Englands zum Commonwealth und

- den Schutz der englischen Landwirtschaft

Sonderregelungen zu finden.

Der Handelsaustausch mit dem Commonwealth wird von der ehrwürdigen Einrichtung der Vorzugszolle begünstigt, die England und die früheren Empiregebiete sich gegenseitig für eine Reihe von Waren einräumen. Untersuchungen sowohl der Forschungsabteilung des »Economist« wie der PEP haben indes gezeigt, daß der Wert dieses Präferenz-Systems über Gebühr aufgebauscht worden ist. Angesichts der weltweiten Zollsenkungen der vergangenen Jahre macht es heute nur noch einen Zollvorteil von durchschnittlich vier bis fünf Prozent aus.

Zudem neigt das traditionelle Denken in England dazu, sowohl die politische Realität der Commonwealth-Treue als auch die eigene Position in den angestammten überseeischen Märkten zu überschätzen. Die Regierungen der selbständig gewordenen Überseeländer finden ebensowenig etwas dabei, ihre kaum flüggen Industrien durch Protektionszölle vor englischen Einfuhren zu schützen, wie sie sich gescheut haben, große Entwicklungsprojekte und Investitionsgüter da in Auftrag zu geben; wo man ihnen die günstigsten Kredite einräumt. Amerika und die Sowjet-Union spielen dieses Spiel mit stärkeren Trümpfen als das ehemalige Mutterland Großbritannien.

So waren es denn nur noch Neuseeland und Kanada, die auf einer Londoner Konferenz der Commonwealth -Finanzminister im September letzten Jahres gegen alle raschen Vereinigungs -Entschlüsse der britischen Regierung zu Felde zogen: Sie sind auf den britischen Markt für den Massenabsatz ihrer Produkte Butter und Zeitungspapier angewiesen. Es ist indes längst zur stehenden englischen Redensart in allen Sechs -Sieben-Gesprächen geworden, daß »die Einigung an der neuseeländischen Butter nicht zu scheitern braucht«.

Großbritanniens Landwirtschaft genießt zwar ebenso starken Schutz wie diejenigen der kontinentalen Länder, jedoch nach einer anderen Methode. Sie verkauft ihre Produkte im Wettbewerb mit den Lieferungen der Commonwealth-Länder und folglich zu deren niedrigen Weltmarktpreisen; die Differenz zwischen diesen Preisen und den jährlich neu festgesetzten innerenglischen Schutzpreisen wird vom Staat vergütet.

Um das langwierige Verklüngeln dieses Systems mit dem in der EWG vorherrschenden zu vermeiden - dort zahlen die Verbraucher die hohen Protektionspreise, alle Weltmarktprodukte werden an den Grenzen auf dieses Preisniveau hinaufmanipuliert -, liegt der Vorschlag bereits auf dem Tisch, bei einer eventuellen Vereinigung die britische Landwirtschaft vorerst ganz unbehelligt zu lassen.

Es sind denn auch im Grunde nicht diese Quiz-Fragen für Experten, ebensowenig wie das Zögern der Industriellen oder die Sentiments der Masse, die Englands Europa-Politik heute bestimmen. Sie temperieren zwar das politische Verhalten des Kabinetts Macmillan, aber jene »inertia« (Trägheit), die der Regierung von den ungeduldigen Anglo-Europäern immer erregter vorgeworfen wird, hat komplexere Ursachen.

Eine davon ist die Existenz der Efta. Nach dem Scheitern von Maudlings Bemühungen Ende 1958, zugleich mit dem Aufbau des Gemeinsamen Marktes der Sechs eine europäische Freihandelszone für alle Länder Westeuropas zu schaffen, war die Efta der Sieben als eine Art Trutzbündnis gegründet worden. Die Installierung dieses kuriosen Vereins ungleicher Partner ging im Jahr 1959 in Stockholm so hastig vonstatten, daß kaum Zweifel über seine sehr vorübergehende Zweckbestimmung herrschen konnte: die Sechs mit sanfter Gewalt wieder an den Verhandlungstisch zu bringen.

Inzwischen hat die Efta jedoch ein beachtliches Eigenleben entwickelt. Vor allem zwei der Partner, Schweden und die Schweiz, erweisen sich als veritable Interessenten, denen das Handelsbündnis unter Ausschluß der großen kontinentalen Industriestaaten mehr Vorteil als Schaden bringt.

Schweden hat eine Bevölkerung von nur siebeneinhalb Millionen Menschen, es hat seit langem Vollbeschäftigung und, neben der Schweiz, die höchsten Löhne Europas. Mithin ist das Land zwar auf den Export angewiesen, kann sich jedoch, im Gegensatz zu England, mit einem bescheideneren Exportvolumen zufriedengeben - und auf die Konkurrenz der kontinentaleuropäischen Industrien mit ihren geringeren Löhnen freudig verzichten. Die begrenzte Produktion seiner hochspezialisierten Schwer- und Konsumgüterindustrie findet in den Efta-Ländern unschwer Ausgleichmärkte für schrumpfenden Absatz in der EWG.

Die Position der Schweiz ist ganz ähnlich, und die beiden Länder dürfen einen weiteren Vorteil aus der Efta -Mitgliedschaft verbuchen: Sie genießen die Segnungen eines für ihre Bedürfnisse ausreichenden Freihandelsgebiets, ohne Souveränitätsrechte an eine supranationale Instanz abtreten zu müssen. Ihre eifrig gehütete Neutralität bleibt makellos.

Es waren vorwiegend schwedische und schweizerische Politiker und Industrielle, die im vergangenen Jahr mit ständig wiederholten Äußerungen des Zweifels an der englischen Bündnistreue die britische Regierung dahin brachten, sich immer stärker in der Efta zu engagieren. Der Freihandelsverband hat heute bereits

- einen namhaften britischen Staatsbeamten, Frank Figgures, als Generalsekretär,

- einen ständigen Rat und

- ein Konsultativkomitee.

Auf einer inoffiziellen Konferenz von Ministern und Wirtschaftlern der Efta -Länder in London Anfang November letzten Jahres marschierte die gesamte Prominenz der britischen Regierung zum Rütlischwur der Efta-Treue auf, und im regierungsamtlichen »Board of Trade Journal« preisen offizielle Inserate englischen Unternehmern »den Zollvorteil, den (sie) auf den anderen sechs Märkten der Efta über führende europäische Konkurrenten genießen würden«.

Das Resultat, wie es unter anderem Andrew Shonfield vom »Observer« schildert: »Zweifellos wächst das Interesse der englischen Produzenten für die Efta, und das mag einen Nettoverlust an Interesse für die EWG bedeuten.« Ein weiteres, bedeutsameres Resultat: England sieht sich heute weniger frei zum Handeln als noch vor einem Jahr. Wenn das Commonwealth-Problem heute zum großen Teil ein Phantom ist, so ist das Efta-Problem sehr real.

Die radikalste Lösung des europäischen Handelsstreits wird durch die Bindung Englands an die sechs mißtrauischen Efta-Kleinen sehr erschwert wenn nicht unmöglich gemacht: der Beitritt Englands zur Zollunion der Sechs. London kann nicht mehr für sich allein den Beitritt beschließen, und der gemeinsame Einmarsch aller sieben Freihändler in Professor Hallsteins Super-Europa mit vorgeschriebenem Außenzoll und reglementierter Handelspolitik erscheint mehr als unwahrscheinlich.

Umgekehrt würde es wohl selbst den Schweden gerade noch konvenieren, wenn die sechs EWG-Länder geschlossen der Efta beitreten - ein Vorschlag,

den in der Bundesrepublik der Hamburger Bankier und Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages Alwin Münchmeyer verficht. Indes, dieses Projekt gleicht allzusehr der glücklosen Freihandelszone des Ministers Maudling - die Sieben würden das freie Bestimmungsrecht über ihre Zölle gegenüber dritten Ländern behalten, während die Sechs sich dieses Rechts im EWG-Vertrag begeben hätten -, um die damals verweigerte Zustimmung Frankreichs diesmal zu erhalten.

Die Renitenz De Gaulle-Frankreichs gegenüber dem Maudling-Projekt ist in England, auch in der Minister-Suite des Foreign Office, unvergessen und unverziehen. In jenem Herbst vor zwei Jahren fühlte man in Whitehall und den Kommandostellen der britischen Wirtschaft einen Schock, der noch heute die Londoner Einschätzung de Gaulles entscheidend bestimmt. Die Nachwirkungen dieses Schocks sind vielleicht die tiefste Ursache für die englische »Trägheit« in Europa-Dingen.

Eine so heftige Reaktion erklärt sich aus der Auffassung der britischen Regierung, daß ihr die unverzügliche Einrichtung einer Freihandelszone als Ergänzung des Gemeinsamen Marktes von den Sechs bindend zugesagt worden sei.

Im Foreign Office weiß man genau zu zitieren, wann und in welcher Form die Sechs ihre nicht honorierte Zusage zur Freihandelszone gegeben haben. Im Mai 1957, als der EWG-Vertrag in Rom gerade unterzeichnet war, billigte der Staatsminister im französischen Außenministerium, Maurice Faure, nach einer Besprechung mit dem britischen Schatzkanzler Thorneycroft ein gemeinsames Kommuniqué, in dem es hieß:

»Die Vertreter des Vereinigten Königreichs begrüßten die Unterzeichnung des Vertrages von Rom ... Die französischen Vertreter ihrerseits betonten ihre Unterstützung für einen Zusammenschluß des Vereinigten Königreichs

und anderer Länder der OEEC mit der EWG in einer Freihandelszone.«

Wenige Tage später teilten Macmillan und Adenauer nach einem Gespräch in Bonn ihre Übereinstimmung mit, »daß es notwendig sei, so bald wie möglich eine Freihandelszone als Ergänzung zum Gemeinsamen Markt zu etablieren«. Solche und ähnliche Verlautbarungen betrachtet das Foreign Office, kaum zu unrecht, als Beweis der Behauptung, die Errichtung des Gemeinsamen Marktes sei mit dem Gentleman's Agreement gekoppelt gewesen, alsbald auch die Freihandelszone zu errichten.

Einen zweiten Nasenstüber bekamen die Engländer, als der Exstaatssekretär des Bonner Außenministeriums und Präsident der Brüsseler EWG-Kommission, Professor Walter Hallstein, im Mai vergangenen Jahres seinen Beschleunigungsplan durchsetzte: Statt in zwölf Jahren, soll die EWG nun schon wesentlich früher komplett sein. London sah in dieser Brüskierung das Werk der einflußreichen Gruppe von Kleineuropäern, die in Bonn, Brüssel und Paris für das Wunschbild eines politisch integrierten Kontinents arbeiten. »Diese Minorität«, so meint Arthur Maxwell Stamp, »kann uns auf unbestimmte Zeit von Europa fernhalten.«

Seit dem Katzenjammer, der dem Pariser Maudling-Fiasko folgte, hat es keine offiziellen Verhandlungen über einen Brückenschlag zwischen den Sechs und England mehr gegeben. Die Gründe dafür, soweit sie auf englischer Seite liegen, werden im Londoner Außenamt etwa mit der Formel umrissen: »Wir wollen natürlich nicht immerzu in aller Öffentlichkeit mit dem Kopf gegen die Wand rennen.«

Ein City-Banker sagt es drastischer: »Unser Beitritt zum Klub der Sechs ist dasselbe, als wenn einer dem Hampstead Golf Club beitreten will. Jedes der Mitglieder hat das Vetorecht. Diese Sache könnte in ein paar Wochen geregelt sein, wenn wir erwünscht wären. Aber für die Franzosen sind wir nicht erwünscht.«

Europaminister Heath

Hinter der Zollmauer

Efta-Vertragsunterzeichnung durch Maudling (l.), Heathcoat-Amory*: Wo ist Wachstum?

EWG-Beschleuniger Hallstein

Englands Zukunft ...

Auto-Lord Rootes

... auf dem Markt der Schweiz?

Konzernchef Lord Chandos Europa statt Butter?

Die Zeit

Die Commonwealth-Tante: »Komm, Mac - laß das!«

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