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UGANDA Land ohne Hoffnung

Staatschef Museveni, vor einem Jahr als Erlöser gefeiert, wird mit dem Bürgerkrieg nicht fertig. Jetzt ruft er Kubaner und Libyer zu Hilfe. *
aus DER SPIEGEL 16/1987

Menschenrechtsverletzungen unter seiner Regierung? Das sei, so sagte Präsident Yoweri Museveni, »eine absolut törichte« Unterstellung. Am Tag danach wurde Lance Sera Mwanga, der Vorsitzende der »Unabhängigen Organisation Ugandischer Menschenrechtsaktivisten«, ohne Gerichtsbeschluß verhaftet. Seitdem hat man nichts mehr von ihm gehört.

Die Menschenrechtler hatten enthüllt, daß nahe Gulu im Norden des Landes 35 Kinder von Regierungssoldaten ermordet worden seien. In einem Nachbardorf hätten Soldaten 20 Frauen lebendig in ihren Hütten verbrannt.

Francis Bwengye, Generalsekretär der Ugandischen Freiheitsbewegung, schätzt, daß der Buschkrieg gegen die Rebellen im Norden in den vergangenen zwölf Monaten rund hunderttausend Todesopfer gefordert hat.

Bürgerkrieg und Terror im Norden des Landes, Massenverhaftungen in der Hauptstadt Kampala, Mord und Folter in den Gefangnissen. Acht Jahre nach der Entmachtung des Tyrannen Idi Amin und ein Jahr nach Musevenis Amtsantritt, so schreibt die in Nairobi (Kenia) erscheinende »Daily Nation«, sei Uganda noch immer »ein Land ohne Hoffnung«.

Musevenis Versöhnungsmodell ist gescheitert. Die Viel-Parteien-Koalition, die Uganda nach anderthalb Jahrzehnten Barbarei und Anarchie zur inneren Stabilität verhelfen soll, ist zerbrochen. Trotz achtbarer Teilerfolge hat Musevenis Streitmacht den Bürgerkrieg im Norden nicht beenden können. Versprengte Reste der Armeen von Ex-Staatschef Tito Okello und der Ex-Diktatoren Idi Amin und Milton Obote haben sich neu formiert und liefern den regulären Truppen blutige Kämpfe.

Wo sie den Gegner nicht fassen können, lassen Musevenis Krieger, ein Großteil davon immer noch halbwüchsige und Kinder, ihren Zorn häufig an der Zivilbevölkerung aus. Sie zerstören Brunnen, stecken Dorfer in Brand und foltern »Kollaborateure« zu Tode.

Dabei hatte Musevenis Sieg über das Militärregime des Generals Tito Okello im Januar 1986 Hoffnungen auf bessere Zeiten geweckt. Nach acht Jahren Gewaltherrschaft und weiteren acht Jahren Bürgerkrieg, die annähernd eine Million Tote gekostet hatten, schien endlich Frieden in Sicht. Die Ugander sollten, wie Museveni verkündete, wieder das Recht haben, »ausschließlich eines natürlichen Todes« zu sterben.

Auch im Ausland genoß der als integer geschätzte Intellektuelle, der in Tansania Politik- und Wirtschaftswissenschaften studiert hat, einen soliden Vertrauensvorschuß. Museveni hatte über ein Jahr lang in der von ihm kontrollierten Südhälfte des Landes vorgeführt, daß er ohne Terror und Korruption regieren konnte. Politiker im Westen beobachteten zwar argwöhnisch seine Ostkontakte und seinen Flirt mit dem libyschen Staatschef Gaddafi. Aber sie sahen ein, daß Freiheitskämpfer in einem Land wie Uganda sich ihre Freunde nicht aussuchen können.

Kurz vor dem Sieg versprach Museveni, er werde seine Außenpolitik pragmatisch gestalten: »Es gab eine Zeit, da standen die Libyer mit Idi Amin gegen das Volk von Uganda. Heute sind sie uns nicht mehr feindlich gesinnt.«

An der ugandischen Nordfront stehen inzwischen mehrere Bataillone libyscher Truppen, verstärkt von Mitgliedern der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Der Kampf gegen die Rebellen wird zum großen Teil von kubanischen Offizieren organisiert, die Museveni bei der Niederwerfung des Aufstandes helfen sollen.

Die Kriegstauglichkeit der Fremdenlegionäre ist allerdings umstritten. Gaddafis letzte militärische Schlappe am Viktoriasee ist den Ugandern noch gut in Erinnerung. Anfang 1979 war ein libysches Expeditionskorps vor den vorrückenden tansanischen Truppen davongelaufen.

Die Waffenbrüderschaft mit den Libyern ist wohl vor allem eine politische Demonstration. Museveni will dem Westen zeigen, daß er Unterstützung beim Wiederaufbau des Landes auch anderswo suchen kann. Die Europäer haben zwar Wirtschaftshilfe in Aussicht gestellt. Doch bevor die Mittel fließen, sollen die Ugander ihr Haus in Ordnung bringen. Die Briten halten 40 Millionen Pfund zurück, die sie fest zugesagt haben. Die Weltbank setzte im November vergangenen Jahres »aus Sorge über Ugandas Finanzpolitik« alle Zahlungen aus. Für den Staatschef jedenfalls gilt: »Unsere Freunde, das sind diejenigen, die freundlich zu uns sind.« _(Bei der Parade zum ersten Jahrestag ) _(seiner Machtübernahme. )

Bei der Parade zum ersten Jahrestag seiner Machtübernahme.

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