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Langer Kampf

aus DER SPIEGEL 15/1991

In einer vertraulichen »Gefährdungsanalyse« des Wiesbadener Bundeskriminalamts (BKA) werden 19 Politiker und 13 Top-Manager, darunter Treuhand-Chef Detlev Rohwedder, als besonders bedroht aufgezählt. Insgesamt führt das BKA mehrere hundert Personen, die durch mögliche Terroranschläge gefährdet sein könnten.

Die Rote Armee Fraktion (RAF) hatte in einem Selbstbezichtigungsschreiben nach dem mißglückten Anschlag auf Innen-Staatssekretär Hans Neusel im Juli vorigen Jahres eine »lange Kampfphase gegen die neuentstandene großdeutsche/westeuropäische Weltmacht« angekündigt.

Daraus schließen die BKA-Experten in der Analyse vom November vorigen Jahres, daß besonders Personen mit einer »Schnittstellenfunktion« im »politisch-ökonomischen Bereich« potentielle Anschlagsziele der RAF sind - vor allem, wenn sie an herausragender Stelle mit den Themenkomplexen »Europäischer Binnenmarkt«, »Deutschlandpolitik/Osteuropa« und »Dritte-Welt-Problematik« befaßt sind. »Potentiell gefährdete Personen« im Bereich Wirtschaft sind laut BKA-Papier:

Friedhelm Gieske, Vorstandsvorsitzender des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerks

Carl Hahn, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG

Karlheinz Kaske, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG

Hilmar Kopper, Vorstandssprecher der Deutschen Bank

Klaus Murmann, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände

Tyll Necker, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie

Werner Niefer, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz AG

Edzard Reuter, Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG

Wolfgang Röller, Vorstandssprecher der Dresdner Bank

Detlev Rohwedder, Präsident der Treuhandanstalt

Wolfgang Schieren, Vorstandsvorsitzender der Allianz AG

Hans Peter Stihl, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages

Hans Tietmeyer, Kanzlerberater und Direktoriumsmitglied der Deutschen Bundesbank

Als besonders gefährdete Politiker bezeichnete das BKA im November zwei Minister und zwei Staatssekretäre, die heute nicht mehr im Amt sind: den damaligen Bundeswirtschaftsminister Helmut Haussmann und seinen Staatssekretär Otto Schlecht sowie den damaligen Bundesjustizminister Hans A. Engelhard und seinen Parlamentarischen Staatssekretär Friedrich-Adolf Jahn. Die übrigen besonders bedrohten Politiker und Beamten sind laut BKA-Liste:

Klaus Beckmann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium

Hans-Dietrich Genscher, Bundesaußenminister

Dieter Kastrup, früher Abteilungsleiter und heute Staatssekretär im Auswärtigen Amt

Klaus Kinkel, früher Staatssekretär und heute Bundesjustizminister

Horst Köhler, Finanz-Staatssekretär

Helmut Kohl, Bundeskanzler

Hans Neusel, Innen-Staatssekretär

Erich Riedl, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium

Rudolf Seiters, Chef des Bundeskanzleramtes

Carl-Dieter Spranger, heute Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, früher Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium

Lutz Stavenhagen, Staatsminister im Bundeskanzleramt

Jürgen Sudhoff, früher Außenamts-Staatssekretär, jetzt Botschafter in Paris

Horst Waffenschmidt, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium

Theodor Waigel, Bundesfinanzminister

Dieter von Würzen, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium

Schlußbemerkung der BKA-Experten: »Es wird angeregt, in eigener Zuständigkeit die Einleitung/Intensivierung von Schutzmaßnahmen . . . zu prüfen.«

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