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Briefe

Lebenslang gedemütigt
aus DER SPIEGEL 37/1993

Lebenslang gedemütigt

(Nr. 35/1993, Autoren: Der autistische Dichter Birger Sellin; Auszüge aus Sellins »ich will kein inmich mehr sein")

Selten hat mich etwas so erschüttert und berührt wie der Bericht über Birger Sellin und seine Texte. Dieser junge, gequälte Mensch hat mehr Klugheit und Weisheit als die meisten von uns sogenannten normalen Menschen. *UNTERSCHRIFT: Bassum (Nieders.) HILDEGARD HOLTORF

Sellins Äußerungen machen klar, wie sehr ein Mensch, der in anderer Augen geistig behindert erscheint, an seinen Mitmenschen leiden kann. *UNTERSCHRIFT: Wiesbaden RENATE SCHNEIDER

Die Mauer von Skepsis, Mißtrauen und arroganter Ignoranz, gegen die wir als Eltern autistischer Kinder immer wieder stoßen, blockiert ihre adäquate Förderung und kostet uns Kraft und Nerven, die wir dringend für unsere Autisten brauchen. *UNTERSCHRIFT: Wetter (Nrdrh.-Westf.) ANGELIKA KOCH

Für mich als »Autistenmutter« ist es schon Lohn genug, wenn mein 30jähriger Sohn zeitweise, wenn auch nur für Minuten, offen, zugänglich ist, manchmal auch lächelt oder auch weinen kann. *UNTERSCHRIFT: Wegberg (Nrdrh.-Westf.) TRUDE ROSENTHAL

Die Verwendung des beschriebenen Spezialcomputers sollte gezielt als Kommunikationstherapie an Sonderschulen eingesetzt werden. Als ich einen Professor für Sonderpädagogik an der hiesigen Pädagogischen Hochschule schriftlich darum bat, ein solches Ausbildungsprogramm für autistische Kinder zu entwickeln und einzusetzen, geschah nichts. Auch der hiesige Verein »Hilfe für das autistische Kind« nahm von diesem Hilfsmittel keine Notiz. Statt dessen müssen unsere Kinder jahrelang Schulen für geistig Behinderte besuchen, wo sie eigentlich gar nicht hingehören, und werden ihr Leben lang gedemütigt. Ich bin Ihnen daher für diesen Bericht außerordentlich dankbar, könnte er doch dazu beitragen, daß diesen »Kastenmenschen« mehr Wärme und Verständnis von unserer Gesellschaft entgegengebracht wird. *UNTERSCHRIFT: Heidelberg DR. EDITH ZEILE

Ein »Stummer« beginnt zu »reden«, sich mitzuteilen; angesichts der inneren Schönheit und Ausdrucksstärke kann ein »Sprechender« nur verstummen. *UNTERSCHRIFT: Wuppertal BEATE MITTAG

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