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Leihboote für Dänemark?

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aus DER SPIEGEL 28/1984

Dänemark will in Kürze drei U-Boote des Typs 205 von der Bundesmarine mieten. Ein Sprecher des dänischen Verteidigungsministeriums beurteilte vergangene Woche die Chancen als »äußerst positiv«, mit den Deutschen bald zu einer Vereinbarung zu kommen. Bonn gibt sich jedoch zurückhaltend.

Vier von sechs U-Booten der dänischen Flotte sind 25 Jahre alt und müssen in den nächsten Jahren ausgemustert werden. Für den ursprünglich geplanten Kauf von drei neuen Booten im Gesamtwert von 750 Millionen Mark läßt sich im dänischen Parlament derzeit keine Mehrheit finden. Die sozialdemokratische Opposition und auch einige bürgerliche Abgeordnete weigern sich, den Verteidigungshaushalt von 3,2 Milliarden Mark aufzustocken.

Zwar prüfen derzeit gleich mehrere Abteilungen des Bonner Verteidigungsministeriums das Mietgesuch aus Kopenhagen, alle indes mit negativem Ergebnis. Die Haushalts-Experten haben finanzielle Einwände, die Admiralität ist aus rechtlichen, vor allem aber aus militärischen Gründen dagegen: Wenn die Dänen drei Boote von Bonn erhielten, würde sich das Kräfteverhältnis in der Ostsee nicht zugunsten der Nato verändern, da diese Boote dann der Bundesmarine fehlten. Die hat weder ausgemusterte U-Boote, die sie ausleihen könnte, noch Geld, die dänischen Boote zu ersetzen. Die 24 deutschen U-Boote der Klassen 205 und 206 sollen nach Bonner Planung vielmehr bis in die neunziger Jahre Dienst tun.

Ein deutscher Marine-Sprecher: »Militärisch macht das keinen Sinn.« Das Mietgeschäft könne - wenn überhaupt - erst nach 1990 abgeschlossen werden.

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