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Leine

aus DER SPIEGEL 38/1950

Die West-Presse mußte einen Minuspunkt buchen. Stehaufmännchen Hermann Kastner erschien - trotz trüber Sibirien-Prophezeiungen - nach sechswöchigem Erholungsurlaub wieder im Amt. Hausfreund und Sowjetbotschafter W.S. Semjonow läßt den stellvertretenden sowjetdeutschen Ministerpräsidenten unangetastet an der Karlshorster Leine weiter durch die Empörungswellen des LDP-Vorstandes schwimmen (siehe »SPIEGEL« Nr. 31). Sorgende Gemahlin und Semjonow-Vertraute Trudchen Kastner ließ kurz nach dem »Aufstand der Ehrgeizigen« im LDP-Parteihaus, die im Juli ihrem Vorsitzenden Hermann Kastner das Mißtrauen ausgesprochen hatten, den stärksten Gegner ihres Gatten, den Generalsekretär Günther Stempel, durch Semjonows Geheimpolizei unschädlich machen. Seitdem ist der Weg für den bürgerlichen Genießer im Pankower Proletarier-Kabinett wieder frei. Zum mindesten bis zu den Oktoberwahlen.

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