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Briefe

Lernt Russisch
aus DER SPIEGEL 17/1949

Lernt Russisch

Dieser Aufruf von Jens Daniel in Nr. 14 des »Spiegel« mag vielen wie eine Herausforderung klingen, zumal er sich - wie Koestlers »Sonnenfinsternis« - an alle wendet. Aber er ist die logisch und dialektisch richtige Erwiderung auf die sowjetische Weltfeindschaft, hinter der schließlich doch nur die Angst vor der Zugluft der Welt steht

Erst kürzlich hat das Moskauer Zentralkomitee als neuestes Arbeitsthema der innersowjetischen Propaganda »erbitterten Kampf gegen den bürgerlichen Kosmopolitismus« vorgeschrieben. Allein im Moskauer Gebiet wettern 31000 beamtete Propagandisten gegen die »geschlechtslosen Speichellecker«, die immer noch meinen, daß irgendwo jenseits des Eisernen Vorhangs irgend etwas nicht faul, dekadent, korrupt und amoralisch sei.

Russisch lernen, Marx lernen - und dann sehen, was die Sowjets aus der »Internationale« gemacht haben. Das gilt für uns Deutsche in erster Linie. Es müßte genau so für alle sich mehr oder weniger bedroht fühlenden Grenzländer am Rande der Sowjetwelt gelten. Ebenso auch für die aktiven Träger des politischen und militärischen Widerstandes gegen die kommunistische Expansion, vom GI bis zum General, vom Reporter bis zum Außenminister und Bischof.

Eine Gefahr, deren Charakter man nicht kennt, kann nicht bekämpft werden. Ihr Wesen bestimmt die Abwehrmittel. Mit Greuelpropaganda erzielt man keine Wirkungen. Wissen und Kenntnisse sind starke Abwehrwaffen.

Stuttgart.

ARTUR W. JUST

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