DER SPIEGEL

»Letzte Generation« am Berliner Flughafen »Ich bleibe hier, ganz genau hier«

Ein Video zeigt Aktivisten der »Letzten Generation« bei der Blockade des Flughafens BER. Die gefährliche Aktion sorgt für neuen Zündstoff in der Debatte, wie weit Protest gehen darf.

Donnerstag nach Mittag am Berliner Flughafen BER. Aktivisten der so genannten "Letzten Generation” machen sich bereit für eine neue Eskalationsstufe ihrer Proteste. Sie filmen die Aktion selbst und veröffentlichen sie anschließend im Netz. Erst schneiden sie den Zaun auf, der das Flughafengelände absperrt, dann kleben sie sich fest und fahren mit Fahrrädern auf dem Rollfeld herum.

Eine gefährliche Situation angesichts des laufenden Flugbetriebs. Die Betreiber schließen daraufhin den Flughafen - mehrere Maschinen müssen andere Ziele ansteuern oder Warteschleifen drehen.

Mit einer Videobotschaft richten sich die Demonstranten direkt an die Bundesregierung.

»Ich bin hier, weil ich nicht zuschauen kann, wie unsere letzte Chance auf eine lebenswerte Zukunft einfach abläuft. Es macht mich verdammt wütend, dass wir das machen müssen. Es macht mich wütend, dass die Regierung versucht, einen Brand, mit einem Glas Wasser zu löschen. Auf der Cop 27, auf dem letzten Weltklimagipfel, haben sie wieder nur leere Versprechungen gemacht.«

Selbst als die Polizei eintrifft, geben sich die Aktivisten zunächst unbeeindruckt.

»Sie sind hier auf einem Flughafen. Sie wissen gar nicht, was für eine Gefahr sie hier eingehen, wenn hier ein Flugzeug langkommt, oder ein anderes Fahrzeug.«

»Ich bleibe hier, ganz genau hier.«

Mit dem Einbruch auf dem Flughafen polarisiert die Gruppe weiter. Schon ihre vorherigen Aktionen wie das Festkleben auf Straßen und Abseilen von Autobahnbrücken in deutschen Großstädten hatten eine große öffentliche Diskussion darüber entfacht, ob diese Art des Protests noch legitim ist oder zu weit geht. Die Flughafenblockade stößt nun auf heftige Kritik seitens der Politik.

Der Rechtsstaat müsse entschieden gegen solch ein Verhalten vorgehen, fordert der Bundesverkehrsminister weiter. Andere Stimmen haben dagegen Verständnis für den Frust der Aktivisten.

Nach etwa eineinhalb Stunden wurde der Betrieb am Flughafen mit Verzögerungen wieder aufgenommen. Die Demonstranten wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen. Ihnen droht nun eine Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung.

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