Nach Flughafenblockade Scholz und Merz üben scharfe Kritik an Klimaaktivisten

Die »Letzte Generation« hat mit der Störaktion am Flughafen BER große Aufmerksamkeit erzeugt. Auch Kanzler Scholz und CDU-Chef Merz kommentierten jetzt die Blockade – weitgehend einig in der Sache, doch mit starken Unterschieden im Ton.
Aktion der »Letzten Generation« am Flughafen BER (am Donnerstag)

Aktion der »Letzten Generation« am Flughafen BER (am Donnerstag)

Foto: Stefan Müller / PIC ONE / picture alliance

Auch zwei Tage nach der Blockade des Hauptstadtflughafens BER durch Klimaaktivisten reißt die Kritik an der Aktion nicht ab. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte am Samstag, dass er die Aktionen schlicht nicht nachvollziehen könne. »Sie sind nicht nur nicht verständlich, sondern auch hochgefährlich, wie man das zum Beispiel bei den Aktivitäten am BER hat genau sehen können«, so der Kanzler beim Landesparteitag der SPD Brandenburg in Cottbus. Scholz sagte: »Ich habe auch nicht verstanden, was es dem Klima nutzt, wenn man Kunstwerke beschmiert. Insofern sollten sich die Beteiligten andere Aktivitäten überlegen als solche, die von fast niemandem in Deutschland akzeptiert werden.«

CDU-Chef Friedrich Merz bezeichnete die Teilnehmer an der BER-Aktion als »kriminelle Straftäter«. »Wir dürfen solche Vorkommnisse nicht bagatellisieren«, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) der »Märkischen Allgemeinen Zeitung«. Der Rechtsstaat müsse und werde handeln – Details nannte er nicht. In München wurden alle Klimaaktivisten, die dort zuletzt noch in Gewahrsam waren, wieder auf freien Fuß gesetzt.

Aktivisten der Gruppe »Letzte Generation« hatten sich am Donnerstag Zugang zum Gelände des Hauptstadtflughafens BER verschafft und den Flugverkehr zeitweise lahmgelegt. Einige klebten sich auf dem Rollfeld fest. Das Landeskriminalamt Brandenburg ermittelt gegen sechs Aktivisten unter anderem wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr, Störung öffentlicher Betriebe sowie Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung.

Woidke sagte, spätestens mit der Aktion am BER sei eine Grenze überschritten worden. Die Aktivisten nähmen bewusst die Gefährdung von Menschen und Strukturen in Kauf, um Aufmerksamkeit für sich zu erzeugen. Damit werde dem wichtigen Anliegen des Klimaschutzes geschadet.

»Das sind schwerste Straftaten«

Nach Ansicht von CDU-Chef Merz haben die Aktionen nichts mehr mit Demonstrationsrecht oder Meinungsfreiheit zu tun. »Das sind schwerste Straftaten, die das Ziel, wofür sie da angeblich auf den Flughafen gehen, diskreditieren«, sagte er auf einem Parteitag der Berliner CDU. Die Gruppe, die zuletzt immer wieder auch Straßen blockiert hatte, erreiche das Gegenteil von dem, was sie eigentlich behaupte, erreichen zu wollen.

Merz erinnerte daran, dass die Union im Bundestag Strafverschärfungen für derartige Aktionen vorgeschlagen habe, »auch unter Androhung von Gefängnisstrafen spätestens beim zweiten Mal«. Er wisse, dass die meisten im Gefängnis nicht besser würden. »Aber die Zeit, in der sie da sitzen, ist draußen Ruhe.« Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft empfahl den von der Aktion am BER betroffenen Unternehmen und Passagieren, ihren Schaden gegenüber der Gruppe »im Wege von Schadensersatzforderungen geltend zu machen«.

Linken-Chef Martin Schirdewan warb dafür, das Anliegen der Klimaaktivisten ernst zu nehmen. »Mir geht es darum, dass wir über das eigentliche Problem reden und das ist der Klimawandel, das ist, dass wir als Gesellschaft in die Klimakatastrophe marschieren«, sagte er im Deutschlandfunk. Die Aktivistinnen und Aktivisten griffen zu »drastischen Mitteln«, die ihn selbst teils nervten. Letztlich sei ziviler Ungehorsam aber »ein wichtiger Bestandteil tatsächlich auch der politischen Kultur, solange niemand zu Schaden kommt«. Es brauche keine Verschärfung des Strafrechts.

mwo/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.