Zur Ausgabe
Artikel 32 / 49

Briefe

Letzte Hoffnung
aus DER SPIEGEL 28/1948

Letzte Hoffnung

Der Beitrag des Herrn Senator Walter Dudek im »Spiegel« Nr. 26 ("Spiegel«-Seite), gab mir das Stichwort, um über eine mir, trotz allen guten Glaubens, unverständliche Härte bei der Durchführung der Währungsreform, meinem Herzen Luft zu machen. Gar zu oft wurden die Nöte des kleinen Mannes hervorgehoben, von alliierter wie auch von deutscher Seite, er sollte als der am wenigsten Geschädigte aus dem Währungsumbruch hervorgehen.

Wie Senator Dudek sagt: »Die ganze Last der ungünstigen wirtschaftlichen Entwicklung seit 1945 hat der Lohn- und Gehaltsempfänger getragen, dessen Entgelt nicht für eine Versorgung auf dem Schwarzen Markt ausreichte. Ihm vor allem galt und gilt die Sorge der Verantwortlichen.«

Ich bin des guten Glaubens, daß sich diese Sorge in der Folge segensreich auswirken kann, doch über das erste Hindernis bin ich nicht hinweggekommen. Warum ist es der kleinste Sparer, der sich weder für seine bescheidenen Spargroschen noch für sein geringes Einkommen schwarze Zusätze beschaffen konnte, der jetzt auch noch das allerletzte hingegeben hat? Setzen wir den Fall, daß eine 3 - 4köpfige Familie vielleicht 1000, 2000 RM Ersparnisse hatte, als letzter Halt, als letzte Hoffnung. Durch das Kopfgeld nunmehr ein Nichts. Darüberliegende Einnamen werden 10:1, noch höhere 20:1 usw. aufgewertet, bald oder später, aber nach dem Stimmenaufwand zu urteilen ziemlich sicher. Bei solchen Beträgen kann man dann aber nicht mehr vom kleinen Sparer reden. Warum hat man nicht die unteren Beträge etwa bis 2000. - RM zu 10:1 aufgewertet und den Ausgleich gewiß leicht bei den höheren und höchsten Einlagen eingeholt? So wäre etwas, meine ich, für den kleinen Mann getan.

Hamburg-Niendorf

GUSTAV HIRSCHHAUSEN

Zur Ausgabe
Artikel 32 / 49
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.