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ARGENTINIEN Letzter Tango für den Präsidenten

aus DER SPIEGEL 29/2001

Nach dem Finanzkollaps in Buenos Aires wächst in den südamerikanischen Nachbarländern die Angst vor dramatischen Folgen. Die argentinische Krise drückte die meisten Aktienkurse und Währungen Lateinamerikas und einiger Schwellenländer bereits vorige Woche deutlich nach unten. Besonders betroffen ist Brasilien. Zwar zeigte sich der wichtigste Wertpapiermarkt in der Wirtschaftsmetropole São Paulo noch vergleichsweise immun, die brasilianische Währung Real fiel jedoch trotz massiver Dollarkäufe weiter. Sie verlor seit Anfang des Jahres inzwischen knapp ein Viertel ihres Werts.

Nun erwarten Experten weitere negative Auswirkungen, wenn die Regierung in Buenos Aires den Peso abwerten und ein Moratorium für Auslandsschulden verkünden sollte. Dann könnte, so die Befürchtungen, zum Beispiel Brasilien auf Grund seiner starken Verflechtung in den südamerikanischen Binnenmarkt mit in den Abgrund gerissen werden. Die USA sehen inzwischen ernsten »Anlass zur Sorge«, so die Sicherheitsberaterin von Präsident George W. Bush, Condoleezza Rice. Denn die Situation erinnert fatal an 1994, als der mexikanische Peso nach der Freigabe des Wechselkurses jäh auf die Hälfte seines Wertes fiel.

Auslöser für den aktuellen Einbruch an der Börse von Buenos Aires ist die Ankündigung eines harten Sparprogramms durch die Mitte-links-Regierung, mit dem die Zahlungsunfähigkeit des hoch verschuldeten Landes verhindert werden soll. Um das Staatsdefizit auf null zu bringen und die praktische Pleite des Landes abzuwenden, will Präsident Fernando de la Rúa Gehälter und Pensionen im Öffentlichen Dienst kürzen und einen »frontalen Kampf gegen die Steuerhinterziehung« starten.

Seit fast drei Jahren schon leidet Argentinien inzwischen unter schwerer Rezession, Überschuldung und einer Arbeitslosigkeit bis zu 40 Prozent. Die sozialen Gegensätze führten bereits im vergangenen Monat zu einer Explosion. Bei Ausschreitungen nach Demonstrationen von Arbeitslosen gab es mehrere Tote. In einem verzweifelten Versuch, politisch handlungsfähig zu bleiben und eine drohende Niederlage bei der bevorstehenden Parlamentswahl im Oktober abzuwenden, hat de la Rúa seinem peronistischen Rivalen von 1999, Eduardo Duhalde, überraschend eine Regierung der »nationalen Einheit« vorgeschlagen. Beobachter sprechen bereits von de la Rúas »letztem Tango in Buenos Aires«.

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