Zur Ausgabe
Artikel 4 / 76

LEVI ESCHKOL

aus DER SPIEGEL 31/1965

LEVI ESCHKOL gehört wie sein Vorgänger David Ben-Gurion zur Gründergeneration Israels, die aus der Idee eines jüdischen Staates eine Wirklichkeit machte. Und wie Ben-Gurion, sein früherer Kampfgefährte und heutiger Rivale im Ringen um die Macht im Staat und in der Regierungspartei Mapai, gehört Eschkol zu den sozialreformerischen Zionisten, die als erste aus Osteuropa einwanderten und seit der Staatsgründung 1948, die politische Führung Israels in der Hand haben.

Der 69jährige Ministerpräsident - Vater von vier Töchtern und zum dritten Mal verheiratet - wurde in einem kleinen ukrainischen Dorf geboren. Sein Vater war Landwirt, Holzhändler und Mühlenbesitzer. Während der Schulzeit auf dem hebräischen Gymnasium lernte Levi Eschkol die zionistischen und sozialistischen Ideen kennen, die den 19jährigen Abiturienten im Frühjahr 1914 nach Palästina führten.

Während des Ersten Weltkriegs diente Eschkol in dem jüdischen Bataillon der britischen Armee, nach dem Krieg in der bäuerlichen Kollektiv-Siedlung Degania, dem ältesten und berühmtesten Kibbuz des Landes.

Aber der Politiker Eschkol verdrängte bald den Landarbeiter. Eschkol wurde Anfang der zwanziger Jahre in die Gewerkschaftsführung berufen und später in das Siedlungsamt der Jewish Agency 1933, nach Hitlers Machtergreifung, wurde Eschkol nach Berlin geschickt, wo er den Transfer jüdischen Eigentums organisierte. Die geretteten Werte benutzte Eschkol zum Ausbau des Bewässerungssystems in Israel.

1952 wurde Eschkol Finanzminister. Wie Ludwig Erhard im Schatten Konrad Adenauers, stand Eschkol ein Jahrzehnt lang im Schatten Ben-Gurions, dessen Nachfolger er 1963, noch dem freiwilligen Rücktritt des Patriarchen, wurde.

Zur Ausgabe
Artikel 4 / 76
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.