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Briefe

LEX SPRINGER
aus DER SPIEGEL 37/1966

LEX SPRINGER

Mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag »Lex Springer« im SPIEGEL vom 1. August 1966 gelesen.

Ich teile die meisten Ihrer Bedenken in bezug auf das Wachsen des Hauses Springer, jedenfalls soweit es die gesellschaftspolitische Seite angeht. - Ökonomisch gesehen mag es fraglich sein, ob der Verlag die Grenze erreicht hat, hinter der dem Wettbewerb ein Ende gesetzt ist. Ebenso fraglich ist es mir, ob die Amerikaner mit der reinen Größenbetrachtung, die in dem von Ihnen zitierten Urteil des Supreme Court zum Ausdruck kommt, den richtigen Weg beschreiten. Der Aufsatz von Max Ways in »Fortune«, die Erwiderung des Antitrust-Chefs Professor Turner und die Betrachtungen von Ways zu dieser Erwiderung zeigen einige von den Bedenken, die in bezug auf eine solche quantitativ-mechanistische Betrachtung nicht nur in Amerika gehegt werden. Sie wissen, daß meine Vorschläge, eine Konzentrationskontrolle einzuführen - so noch enthalten im Regierungsvorschlag von 1950 - vom Parlament nicht angenommen worden sind; indessen ist die Diskussion darüber nicht tot, wie die Ausarbeitung der Kommission der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft vom Dezember 1965 (Dokument 3500) zeigt.

Sicherlich teilen viele demokratisch gesinnte Bürger unseres Landes Ihre Sorge, daß wir uns, wie Sie es ausdrükken, vom gesamtdeutschen Bürgerstaat weg zum elitären Cliquenstaat militanter Abschirmung entwickeln. Sie erwähnen in diesem Zusammenhang das Kartellgesetz. Ich verstehe das dahin, daß Sie den Einfluß der Interessenten mit wirtschaftlicher und politischer Macht bei der Beratung und Verabschiedung des Kartellgesetzes als sehr hoch veranschlagen. Sie erwähnen aber auch die Kartellgesetzanwendung. Ich habe bisher gemeint, daß mein Amt in Berlin zu den Gegengewichten, den »checks and balances«, gehört, die in dem durch das Gesetz gezogenen Rahmen eine liberale, demokratische Wirtschaftsordnung sichern. Sie sind offenbar anderer Meinung. Ich bin sehr daran interessiert zu erfahren, welche Umstände Ihre Schlußfolgerungen tragen.

Berlin EBERHARD GÜNTHER

Günther*

* Präsident des Bundeskartellamtes.

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