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Briefe

Lieber den Sekunden-Herztod
aus DER SPIEGEL 29/2001

Lieber den Sekunden-Herztod

Nr. 27/2001, Titel: Kampf dem Blitztod - Neue Therapien gegen den Herzinfarkt

Mein Lebenspartner verstarb im letzten Monat unerwartet - unbegreiflich - im Alter von 36 Jahren. Von der Gerichtsmedizin erhielten wir Dagebliebenen die lapidare Auskunft »Herzversagen«. Werde ich nun mein Leben auf riskante Lebensgewohnheiten hin betrachten? Ich rauche eine Zigarette und suche meinen Trost in den Erinnerungen. Darin, dass wir unsere Zeit intensiv lebten, mit allen Risiken. Darin, dass wir so lebten, dass jeder Abschied der letzte hätte sein können.

LEIPZIG MANUELA LEIDERITZ

Laut Experten ist in Europa und den USA die jährliche Zahl der Todesfälle durch medikamentöse Nebenwirkungen höher als die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr. Damit sind die tödlichen Wirkungen von Pharmaka die vierthäufigste Todesursache.

BERLIN REGINA NOWACK

Die in diesem Artikel vorgestellten Vorgehensweisen gegen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen illustrieren den hilflosen und verzweifelten Versuch der Pharmaindustrie, den milliardenschweren Markt an symptomorientierten Pharmapräparaten zu retten. Zu retten deshalb, weil es inzwischen in weltweit zahlreichen Studien bewiesene ursächliche Therapien gibt, die das Geschäft mit der Krankheit, welches die Pharmaindustrie seit Jahrzehnten betreibt, beenden wird. Zwangsmedikamentierung des Trinkwassers darf es niemals geben. Niemals!

MELLE (NIEDERS.) KARL-HEINZ VOSS

Da wird eine Menge Geld und Energie verschleudert, um ausgerechnet die am wenigsten unangenehme Todesart einzudämmen. Welch ein Unsinn! Wem der Herztod »erspart« bleibt, auf den wartet vielleicht der Krebstod. Dann doch lieber den Sekunden-Herztod in jungen Jahren als ein jahrelanges qualvolles Leiden.

STRASSBURG MICHAEL APP

In Deutschland sterben jährlich mehr als 120 000 Menschen nach einem plötzlichen Herzversagen, bevor sie ein Krankenhaus erreichen. 75 Prozent dieser Patienten könnten überleben, wenn ihnen innerhalb von drei bis maximal fünf Minuten mit Reanimation geholfen würde. Dieses Problem ist nur lösbar, wenn eine Breitenausbildung der gesamten Bevölkerung erreicht wird. Seit März 2001 empfiehlt nun auch die Bundesärztekammer die Laienausbildung. Die Björn Steiger Stiftung konnte mit einer Abnahmegarantie von 3000 AED-Geräten und einer Ausfallbürgschaft von drei Millionen Mark die Gerätepreise der drei wichtigsten Hersteller halbieren. Jetzt möchten wir die Ausbildung aktivieren. Deshalb stellt die Stiftung allen Stadt- und Landkreisen der Flächenländer und den Bezirken der Stadtstaaten je ein kostenloses Ausbildungsgerät im Gegenwert von insgesamt 4,5 Millionen Mark zur Verfügung.

WINNENDEN (BAD.-WÜRTT.) SIEGFRIED STEIGER PRÄSIDENT DER BJÖRN STEIGER STIFTUNG

Bei den koronaren Risikofaktoren wird die Parodontitis nur mit einem Halbsatz erwähnt. Nach zahlreichen Studien erhöht eine schwere Zahnfleischentzündung das Infarkt- und Schlaganfallrisiko jedoch um 25 Prozent. Bakterien aus der Zahnfleischtasche streuen Entzündungsmediatoren in den Kreislauf, die zu einer Thrombozytenaggregation und damit zum Gefäßverschluss führen können. Therapie: regelmäßige professionelle Reinigung der Zahnfleischtaschen mit Ultraschallinstrumenten durch eine Dentalhygienikerin.

MÜNCHEN DR. WOLFGANG BOCKELBRINK

Die Analyse, der Herzinfarkt sei eine häufige und gefährliche Krankheit, war treffend und überzeugend. Die Schlussfolgerung, dem Herzinfarkt könne man schon bald durch neue Medikamente effektiv vorbeugen, war jedoch übertrieben und nicht gerechtfertigt. Die Auswirkungen von Fehlernährung, Bewegungsmangel und Rauchen auf die Gefäße sind zu komplex, als dass man sie schon bald pharmakologisch »kompensieren« könnte. Die Medizin wäre daher gut beraten, würde sie die gewaltigen finanziellen Aufwendungen für die Diagnostik und die operativen Therapien mit marginalem Gesundheitsgewinn in ergiebigere Verfahren der Prophylaxe und Therapie stecken. Man wundert sich, wie lange die Mediziner selbst das Missverhältnis von Aufwand und Effekt in der Kardiologie in Anbetracht von leeren Kassen im Gesundheitswesen hinnehmen. Müssen die Ärzte vom SPIEGEL aufgeklärt werden?

BAD ROTHENFELDE (NIEDERS.) PROF. DR. ALFRED WIRTH

Wer die wortwörtlich »beengenden« und beklemmenden Wochen einer Stenose und die Aussicht auf einen Infarkt durchlebt hat, weiß etwas vom Absinken der »Lebensqualität«. Wem dann eine Ballonkatherisierung das alte Leben zurückgibt, kann einen solchen Eingriff nur absolut positiv erleben. Warum werten Sie solche Kathetereingriffe als »nur einer Verbesserung der Lebensqualität führend« ab? Ist das nicht ein falscher Zungenschlag? Ist »Lebensqualität« kein wichtiges Ziel medizinischer Arbeit, und wäre mein Krankenkassenbeitrag hier schlecht angewandt worden?

BERLIN DR. ADOLF SCKERL

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