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Briefe

LIEBESGRÜSSE
aus DER SPIEGEL 8/1968

LIEBESGRÜSSE

(Nr. 5/1968, Kirn Philby)

Gegen Kirn Philbys Liebesgrüße für Moskau nimmt sich James Bonds Schattenboxen wirklich wie ein Grimmsches Märchen aus. Leider bleibt nach der spannenden Spionagestory die bange Frage: Wo überall in der Welt hat Moskau noch Ziehkinder à la Philby?

Hannover HORST DREIER

Spione und Geheimdienste hat es immer schon gegeben und wird es immer geben. Wenn über dieses Thema gelegentlich drei oder vier Seiten gebracht werden, ist dagegen nichts zu sagen. Wer hat je schon mal von einem Kim Philby gehört, und wen glauben Sie. daß dieser Mann überhaupt interessiert?

Nürnberg GEORG LÜTZELBERGER

Philby ist eine verdiente Schlappe des britischen Geheimdienstes.

Hamburg RAINER VOGEL

Die Titelgeschichte über Kirn Philby ist ganz vorzüglich und der früheren SPIEGEL-Serie über Himmlers SS voll ebenbürtig. Mit größtem Interesse habe ich die einzelnen Beiträge über Klm Philby gelesen und mich gewundert, wie wenig Humor und Geschicklichkeit der britische Geheimdienstchef Stewart Menzies bewiesen hat.

Hannover ERNST SOMMER

Angeregt durch Ihre Ausführungen über Philby schicke ich Ihnen eine Aufnahme, die Philby in Jericho Ende September 1956 zeigt.

Auf der Fahrt von Damaskus nach Jerusalem stieg ein hochgewachsener Herr in Amman ins Taxi und nahm neben meiner Frau Platz. Kurz nach der Abfahrt bot er meiner Frau eine Zigarette an. »Rauchen Sie, gnädige Frau?« Damit war der Kontakt hergestellt. Er stellte sich uns beiden sofort vor: Philby, Korrespondent, wobei er auf seinen Namen unter einem Artikel des »Economist« zeigte.

Er begann stotternd, aber in grammatisch einwandfreiem und fast akzentfreiem Deutsch zu erzählen, daß er in Indien geboren sei, daß England ihm fremd geblieben sei und daß er die Araber gut kenne und sehr schätze. Dabei sprach er anerkennend von seinem Vater. Ob wir nichts von ihm gehört hätten? -- Bedaure, nein.

Philby sprach mit angenehmer, ruhiger Stimme und ohne Aufdringlichkeit. Es war ein Vergnügen, ihn erzählen zu hören, obwohl er oft stotterte und nach Worten suchte. Trotz dieses Handikaps bewies er eine für Engländer ungewöhnliche Kontaktfreudigkeit.

Köln PETER PROBST

Als Ullstein-Korrespondent für Spanien nahm ich an der Unglücksfahrt am 2. Januar 1938 nach Conde teil (drei britische Korrespondenten wurden von einer Granate getroffen und starben, Philby wurde verletzt). Ich war der einzige, der dort in Conde photographierte. Die Photographie des verwundeten Philby stammt von mir. Auf dem Photo spricht Philby mit Hans Rösel (Frankfurter Zeitung), der jetzt Chefredakteur der »Badischen Zeitung«, Freiburg, ist.

Der Zweck dieses Briefes: eine Berichtigung dessen, was Philby in der britischen Presse geschrieben hat; wohlweislich verschwieg er ein Detail, obgleich er es, wie alle anderen, gewußt haben muß. Er behauptete, daß »eine Schrapfnellgranate in Höhe des Kühlers explodierte«. Nein: Das Geschoß schlug neben dem Wagen auf. Ein Photo von mir zeigt die ganz flache, weißliche Stelle. Vor allem aber war es kein Schrapnell, sondern eine Granate aus einem russischen Geschütz, dessen Geschosse die militärisch ausgezeichnete Eigenschaft hatten, ebenso schnell zu sein wie der Schall. Man hörte sie also nicht heranpfeifen, wie die allermeisten anderen, und konnte sich nicht schützen. An der Mauer, die Philby erwähnt, stand ich auch; ja, ich sprach Philby an. Er stammelte Unverständliches und wankte davon. Ich befand mich zwischen Mauer und einem Lastwagen, von dessen Hinterrädern gedeckt. Einer der Reifen wurde von Sprengstücken durchlöchert. Das Geschütz wurde von den Nationalen »Löwin« genannt und hatte Kaliber 124 Millimeter.

Hätte Philby wie die drei anderen sein Leben verloren, so wäre es ein kleiner Witz der Weltgeschichte gewesen, daß der Meisterspion der Sowjets ausgerechnet von einer russischen Granate getötet worden wäre.

Madrid (Spanien) EDUARDO FOERTSCH

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