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APARTMENT-HOTEL Lift zur Sauna

aus DER SPIEGEL 20/1966

Lange vor dem Olympia-Stadion wird München einen neuen Symbol-Bau erhalten. Er heißt Arabella, kostet 70 Millionen Mark und ist mit 68 Meter Höhe, 20 Meter Breite und 153 Meter Länge der erste seines Typs in Deutschland: ein Apartment-Hotel.

Arabellas Vater ist der Münchner Bau- und Grundstücksfinanzier Josef Schörghuber, 45. Er hatte auf Reisen in den USA das Wohnsystem des »Boardinghouse« entdeckt. Es besteht darin, daß der Kunde seine Räume wie eine normale Wohnung mietet und zugleich Hotel-Dienstleistungen in Anspruch nehmen kann.

Amerikas berühmtestes Boarding house gehört zum »Waldorf Astoria«-Hotel in New York. In den »Waldorf Towers« wohnten unter anderen jahrelang der pensionierte General Douglas MacArthur und der ehemalige US -Präsident Herbert Hoover.

Bauherr Schörghuber erwartet für seine riesige Apartment-Scheibe Arabella ebenfalls Pensionäre als Mieter, aber auch in München gastierende Künstler oder Wissenschaftler oder schlicht Junggesellen. Nur: Geld müssen sie haben.

Die 850 Arabella-Behausungen vom Einzimmertyp bis zur zweistöckigen »Maisonette« werden um die Hälfte teurer sein als frei finanzierte Münchner Normalwohnungen, deren Mietpreise heute bei sechs bis acht Mark je Quadratmeter liegen.

In der Miete sind die Benutzung einer Tiefgarage, die Dienste eines Portiers und einer Ladenkolonie im Hause, die bis Mitternacht verkaufsbereit ist, eingeschlossen. Den Service des Hotelbetriebs - Essen, Bedienung, Zimmerreinigung - können die Arabella-Mieter zusätzlich in Anspruch nehmen, müssen aber auch gesondert dafür zahlen.

Sechs Schnell-Aufzüge befördern die Kundschaft von Bar und Restaurant im Erdgeschoß zu ihren Wohnungen oder zu Schwimmbad und Sauna im obersten Stockwerk. Die Apartments werden nach Wahl leer oder möbliert vermietet.

Seit zwölf Jahren schon arbeitet der gelernte Ingenieur und Inhaber eines Sperrholzwerks in Mühldorf am Inn als Bauherr für eigene und fremde Rechnung. Seine Firma Bayerische Hausbau GmbH & Co. KG hat seit 1954 rund 150 Millionen Mark verbaut; das Projekt Arabella wird fast halb soviel allein in den nächsten drei Jahren verschlingen.

Als würdigen Rahmen rings um seine Wohnherberge plant der Münchner:

- Bürohäuser für 20 000 Angestellte (Schörghuber: »Nur Firmen mit interessanten Besuchern");

- 1050 Wohnungen gehobenen Stils;

- ein Altersheim mit 300 Plätzen für

zahlungskräftige Ruheständler;

- ein Hotel »Bavaria« mit Kongreßsälen und 1008 Betten, fast doppelt so viele wie in Münchens gegenwärtig größtem Hotel »Bayerischer Hof« (555 Betten).

Für seine Supersiedlung »Arabellapark« (sie ist nach einer angrenzenden Straße benannt) fehlt Schörghuber vorerst noch viel Geld. Bisher hat er nur, mit Bankenhilfe, die 70 Millionen Mark für das Apartment-Gebäude zusammengebracht. Es soll in diesem Sommer in Angriff genommen werden.

Die Stadt-Oberen wollen Schörghuber wohl, um so mehr, seit sie olympischen Ehrgeiz haben. Nur das Gesundheitsamt versah seine Zustimmung zum Mietersilo mit zweifelnden Kommentaren über »den Wohnwert des Gebäudes mit seinen 153 Meter langen, kaum natürlich belichteten Gangschluchten«.

Schörghuber zweifelt nicht am Wohnwert, inzwischen aber an den Kostenvoranschlägen für Arabella: »Wenn die Baupreise wegen der Olympia-Vorbereitungen verrückt spielen, muß ich neu kalkulieren.«

Bauherr Schörghuber, Apartment-Hotel

Mieter in der Scheibe

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