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RUSSLAND Lohn in Naturalien

aus DER SPIEGEL 8/1997

Die wachsende Zahlungsunfähigkeit privater wie staatlicher Einrichtungen in Rußland hat bereits zu Gehalts- und Pensionsrückständen sowie Schulden gegenüber Lieferanten in Höhe von 26 Milliarden Mark geführt. Immer mehr Betriebe sind gezwungen, Werktätige und Pensionäre in Naturalien zu entlohnen - Geschirrhersteller zahlen mit Töpfen, Konfektfabriken mit einigen Kilo Schokolade, Verlage mit Bücherstapeln. Unternehmen in Kursk geben inzwischen Getreide und lebende Ferkel als Rente aus. Manche Belegschaften organisieren den Straßenverkauf des Lohnersatzes zur Bargeldbeschaffung - oft weit vom Produktionsort entfernt. Bislang wenig Erfolg hat das Wolgograder Unternehmen Armina, das seinen Mitarbeitern den Monatslohn (etwa 42 Mark) seit drei Jahren in Form von durchschnittlich acht Büstenhaltern erstattet. Die nicht sonderlich marktgängigen Kreationen werden auch als materielle Beihilfen im Geburts- oder Sterbefall gereicht. Trotz der flauen Nachfrage konnte sich die Direktorin auf diese Weise als Belohnung für die stabile Produktion regelmäßig Prämien genehmigen - in bar.

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