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PERSONALIEN Loki Schmidt, Amanda Lear, Herbert Wehner, Soraya, Annemarie Renger, Norbert Gansel, Erich Kiesl

aus DER SPIEGEL 22/1979

Loki Schmidt, 60, Frau des Bundeskanzlers und Naturbuch-Autorin (Titel: »Schützt die Natur -- Impressionen aus unserer Heimat"), sucht jetzt auch auf deutschen Sportplätzen nach seltenen Pflanzen. Auf Einladung der Fußhalljugend des VfR Bad Bellingen reiste die Freizeit-Biologin an den Oberrhein, um auf dem Spielfeld der Vereinssportanlage den Blumenwuchs zu untersuchen (Photo l.). Die Jungkicker hatten dort rötliche Orchideen-Blüten ausgemacht und das Spiel auf dem Rasen vorerst eingestellt. Loki Schmidt konnte die Jungs aufklären, welche Pracht da auf dem Platz wuchert: die seltene »Orchis militaris« (Helmknabenkraut). Bis die Blütenpracht vorbei ist, wollen die Fußballer auf einem Nebenplatz bolzen. Die Hamburgerin nutzte die Visite in Bad Bellingen nebenbei zur Eigenwerbung und verteilte ein paar Exemplare ihres Ende April erschienenen »Schützt die Natur«-Buches unter den Jungsportlern -- auf Wunsch mit Autogramm auch von Ehemann Helmut.

Amanda Lear, 36 (Photo), britische Disco-Sängerin, ließ sich in Deutschland notariell beglaubigen, daß sie auch live singen kann. Der Engländerin war wiederholt vorgeworfen worden, sie bewege bei ihren Konzerten nur die Lippen zum eingespielten Playback. Erbost zitierte die Lear deshalb den Wiesbadener Notar Dieter Wallenfels zu einer Probe. Danach gab der Jurist es der Klientin schriftlich mit dem Stempel und Siegel ("Urkundenrolle Nummer 134 für das Jahr 1979"), daß »Frau Lear bei den ... gesungenen Liedern live sang«. Begründung: »Dies war u. a. daraus erkennbar, daß sie Unterhaltungen mit Personen, die bei der Probe anwesend waren, in ihre Liedervorträge einbezog.« Die Notarkosten haben sich kaum gelohnt: Amanda will ihren Disco-Sound einstellen und nicht mehr öffentlich auftreten.

Herbert Wehner, 72, SPD-Fraktionschef, mochte sich beim Beten nicht setzen. Unübersehbar stand er am Mittwoch vergangener Woche an der Eingangstür eines Nebensaals der Bonner Beethovenhalle, wo sich die Christen aller Fraktionen vor der Wahl des Bundespräsidenten zu einem Gottesdienst versammelt hatten. CDU-Fraktionssprecher Eduard Ackermann, der Wehner seinen Sitzplatz anbot, erlitt eine scharfe Abfuhr: »Der Platz steht mir sicher nicht zu.« Einen anderen Delegierten, der seinen Sitz offerierte, knurrte Wehner an: »Geben Sie den doch an Behinderte. Ich bin ein Steher.«

Soraya, 46, iranische Ex-Kaiserin, steht nicht mehr auf Chomeinis Todesliste. Nach der Machtübernahme der Mullahs in Persien hatten Schah-Gegner auch die Hinrichtung der Schickeria-Prinzessin verlangt. Soraya nahm die Drohungen ernst und tauchte in Mexiko bei Freunden unter. Jetzt ließ Teheran durchblicken, es bestehe »keinerlei Interesse« an der Ex-Kaiserin.

Norbert Gansel, 38, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Kiel, mochte sich während der Präsidentenwahl in der Bundesversammlung nicht an den Fraktionszwang halten. Herbert Wehner hatte 438 Rosen kaufen lassen, die von den SPD-Wahlleuten nach der Stimmabgabe einzeln bei der SPD-Kandidatin Annemarie Renger, 59, abgeliefert werden sollten. Die Aktion klappte. Nur Gansel pflückte eine rote Nelke aus der Hallendekoration und drückte Annemarie Renger Traditionsblume der Arbeiterbewegung in die Hand (Photo). Der Kieler MdB zur Kandidatin: »Rosen haben Dornen, und davon hatten wir schon genug.

Erich Kiesl, 49, Münchens CSU-Oberbürgermeister, geriet bei den Filmfestspielen in Cannes mit der Schauspielerin Eva Renzi, 34, aneinander. Im Gespräch schwadronierte Kiesl über sein umfangreiches Arbeitspensum und erzählte, daß er bereits am nächsten Tag nach Montreal weiter müsse -- des prallen Terminkalenders wegen mit dem Überschalljet »Concorde«. Guru-Jüngerin Renzi fiel dem Bayern ins Wort: »Wie können Sie mit der Concorde fliegen, sind Sie sich denn überhaupt nicht über die biosphärischen Folgen im klaren?« Und, noch eins drauf: »Dieser Schnelligkeitsrausch entspricht Ihrem Größenwahn.« ·

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