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London: MI5 will aus dem Schatten

aus DER SPIEGEL 37/1989

Schlechtes Image und Nachwuchsmangel gefährden die unter den britischen Nachrichtendiensten traditionelle Geheimniskrämerei. MI5, für Spionageabwehr und Kampf gegen Terrorismus verantwortlicher Inlandsdienst, und MI6, legendärer Geheimdienst für die Auslandsspionage, finden in den Universitäten des Landes kaum noch Nachwuchsagenten. Grund: Die »Spycatcher«-Memoiren des Ex-Agenten Peter Wright, deren Erscheinen auf dem britischen Markt die Londoner Regierung vergebens zu verhindern suchte, haben das Ansehen der Dienste auf einen Tiefpunkt gebracht, und die besten Studenten werden von der Wirtschaft schon auf dem Campus mit Spitzenangeboten geködert. Als besonders hinderlich aber empfinden es die Geheimdienstwerber, daß sie nicht mit offenen Karten spielen dürfen. MI5-Generaldirektor Patrick Walker, dessen Aussehen britischer Tradition gemäß ein Staatsgeheimnis ist und der seit seiner Universitätszeit anonym lebt, will deshalb alte Zöpfe abschneiden: Er möchte für seinen Dienst in offenen Anzeigen werben und Personalberater in die Suche nach Spitzenkräften einschalten. Ihm schwebt auch vor, den MI5-Chef zu einer öffentlich bekannten Persönlichkeit zu machen, ähnlich dem Direktor des amerikanischen CIA, William Webster, oder dem sowjetischen KGB-Chef Wladimir Krjutschkow.

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