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Hausmitteilung Lorenz

aus DER SPIEGEL 35/1983

Kurioserweise wurde ebenfalls vorige Woche der SPIEGEL-Redakteur Andreas Lorenz, seit 1982 Korrespondent des Blattes in Moskau, dem nachweislichen Sitz des KGB, ins sowjetische Außenministerium bestellt und »ernsthaft verwarnt«. Walentin Kamenew, stellvertretender Leiter der Presseabteilung, gab es ihm mündlich und schriftlich: »Sie nutzen Ihren Aufenthalt in unserem Land für die Verbreitung verleumderischer Materialien über das Leben in der Sowjet-Union aus.«

Sowenig sich Lorenz und der SPIEGEL in dieser Beschreibung ihrer Tätigkeit wiedererkennen, sowenig werden sie davon überrascht. Journalisten einer freien Presse müssen in Ländern wie der Sowjet-Union auf solches Mißverständnis gefaßt sein.

Von Kamenew erfuhr Lorenz, was die Sowjets besonders erbost hatte: SPIEGEL-Berichte über Zwangsarbeiter an der neuen sibirischen Erdgasleitung (33/ 1982), über deutschstämmige Sowjetbürger in Kasachstan (43/ 1982) und die sowjetische Service-Agentur UPDK, die Ausländer in der Sowjet-Union mit Dienstleistungen versorgt, aber auch schon mal dem KGB zu Diensten steht (45/1982).

Daß nur die Kasachstan-Reportage von Lorenz stammte, die beiden anderen Beiträge von anderen SPIEGEL-Redakteuren geschrieben wurden, konnte nach Sowjet-Logik wenig verfangen. Kamenew zu Lorenz: »Der Inhalt ist entscheidend. Wir werden achtgeben, was die Zukunft bringt.«

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