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WEISSRUSSLAND Lukaschenko fügt sich Putins Drängen

aus DER SPIEGEL 49/2002

Russlands Präsident Wladimir Putin will Weißrusslands autoritären Herrscher Alexander Lukaschenko für Moskaus Vereinigungspläne gewinnen. Nachdem Lukaschenko im August nach einem Besuch bei Putin dessen Vorschlag, die Weißrussen sollten der Russischen Föderation beitreten, als »unannehmbar« bezeichnet hatte, setzte der Kreml wirtschaftliche Druckmittel ein. Anfang November drohte der russische Gaskonzern Gasprom, den slawischen Brüdern Gas künftig nicht mehr zu niedrigen Inlandspreisen zu liefern. Lukaschenko, bei Mitarbeitern wegen seiner Wutausbrüche gefürchtet, warf den Moskowitern sogleich »beispiellosen Druck auf unser Land« vor. Putin, in Weißrussland beliebter als Lukaschenko, beorderte daraufhin den Minsker vergangene Woche nach Moskau. Eher kleinlaut beteuerte dort Lukaschenko, in westlichen Ländern mit Einreiseverbot belegt, er sei »immer ein Freund Russlands« gewesen. Zudem dankte er seinem Gastgeber für »außenpolitische Unterstützung«. Putin sicherte ihm jovial weitere Gaslieferungen zu sowie anderthalb Milliarden Rubel (47,6 Millionen Euro) zur Stützung der schwächelnden Landeswährung. Dafür versprach Lukaschenko seine Kooperation beim »Bau eines gemeinsamen Unions-Staates«. Der soll schon im nächsten Jahr eine Verfassung sowie eine Hymne erhalten. Auch dem nächsten, viel entscheidenderen Vereinigungsschritt will sich Lukaschenko offenkundig nicht länger verweigern: der Einführung des russischen Rubel im Januar 2004.

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