Zur Ausgabe
Artikel 69 / 151
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

MODERATOREN »Macht euren Sport alleine«

Waldemar Hartmann, 52, Sportmoderator der ARD, sollte nach dem Willen seiner Chefin, Marianne Kreuzer, vom Bildschirm verschwinden. Angeblich sei Hartmann zu alt und zu wenig kompetent.
aus DER SPIEGEL 45/2000

SPIEGEL: Herr Hartmann, offenbar haben Sie ein Problem mit Ihrer Vorgesetzten. Die wollte Sie nicht mehr so oft auf dem Schirm sehen. Nach einem Gespräch mit Fernsehdirektor Gerhard Fuchs ließ sie dann verlauten, Sie seien »ein äußerst kompetenter und guter Moderator«.

Hartmann: Ich war überrascht über diese Kehrtwende. Aber wenn man so viel Gutes über sich hört, kommt auch große Freude auf. Frau Kreuzer ist offenbar im Verlauf weniger Tage schlauer geworden.

SPIEGEL: Haben Sie Ihrer Chefin vielleicht im Weg gestanden?

Hartmann: So ist es. Sie wollte genau den Job vor der Kamera machen, den aber nun einmal leider Gottes Waldemar Hartmann macht. Im Ernst: Wenn es Herrn Fuchs nicht gegeben hätte, der wirklich um mich gekämpft hat, dann wüsste ich nicht, was mit mir passiert wäre. Möglicherweise hätte ich gesagt: Macht euren Sport alleine.

SPIEGEL: Fürchten Sie nicht einen Imageverlust? Ein Sportmoderator, der sich von einer Frau sagen lassen muss, er habe keine Ahnung - das muss wehtun.

Hartmann: Ich halte es grundsätzlich für schwierig, wenn ein Mann eine Frau als Vorgesetzte hat. Ich habe nämlich noch ein traditionelles Rollenverständnis.

SPIEGEL: Um nicht zu sagen: Sie sind ein alter Macho.

Hartmann: So, wie ich es formuliert habe, klingt es aber schöner. Wissen Sie: Es gibt ja eine Gleichstellungsbeauftragte. Die ist nur für Frauen zuständig. Aber eigentlich müsste man die Frage stellen: Wann kommt der Gleichstellungsbeauftragte für Männer?

SPIEGEL: Ist Frau Kreuzer kompetent?

Hartmann: Die Frage muss ich wohl mit Ja beantworten. Schließlich habe ich sie eingestellt, als ich Redaktionsleiter war.

SPIEGEL: Dass Frau Kreuzer zumindest in Teilen Recht haben könnte, halten Sie für vollkommen ausgeschlossen?

Hartmann: Ihre Attacken waren Ausdruck eines persönlichen Problems, das wir beide miteinander haben. Deswegen kann ich das, was sie gesagt hat, auch nicht ernst nehmen. Lägen die Dinge anders, dann wäre ich in mich gegangen.

SPIEGEL: Wann ist man zu alt fürs Fernsehen?

Hartmann: Wenn man nicht mehr sieht, wo die Kamera steht.

Zur Ausgabe
Artikel 69 / 151
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.