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CHINA Machtlose Zentrale

aus DER SPIEGEL 32/2001

Die Pekinger Regierung ist nicht in der Lage, in den Provinzen Sicherheitsstandards und Vorschriften durchzusetzen - selbst wenn es um das Leben Tausender Arbeiter geht. Das zeigte sich erneut beim jüngsten Minenunglück im südlichen Guangxi. Bei einem Wassereinbruch in der Longquan-Zinngrube im Kreis Nandan am 16. Juli ertranken womöglich bis zu 300 Bergarbeiter. Der Stollen hätte nach einer Order aus der Hauptstadt längst geschlossen sein müssen, weil die Betreiber bereits früher Sicherheitsnormen verletzten. Doch lokale Kader und Polizisten stecken mit skrupellosen Bergwerksunternehmern unter einer Decke. Da die eigentlich illegalen Betriebe oft die einzigen Arbeitgeber in der Region sind und zudem für soziale Zwecke spenden, lassen die Ortsverwaltungen sie gewähren. Diese unheilige Allianz ist mittlerweile schuld an vielen Grubenunglücken: Über 3000 Kumpel kamen in diesem Jahr bereits ums Leben, im Jahr 2000 waren es mindestens 5300. Die Provinzpolitiker in Guangxi versuchten gemeinsam mit den Minenbossen bis Ende letzter Woche, das Unglück herunterzuspielen, Leichen wurden angeblich nicht gefunden. Journalisten durften nicht an den Unglücksort heran. Die Grubenunternehmer versuchen, die meist bitterarmen Familien der Opfer gegen die Zahlung von etwa 1000 Mark zum Stillschweigen zu verpflichten.

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