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Mack eins rauf

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aus DER SPIEGEL 32/1984

Erstmals seit Jahren hat ein deutscher Top-General im Nato-Hauptquartier bei Mons in Belgien wieder etwas zu melden. Hans-Joachim Mack, seit April neuer Stellvertreter von Oberbefehlshaber Bernard W. Rogers, erfreut sich der besonderen Gunst seines Chefs. Der Amerikaner hat an den Deutschen etwas gutzumachen. Denn mit Macks Vorgängern Günter Kießling und Admiral Günter Luther sprang Rogers betont ruppig um: Weil er beide Offiziere für Fehlbesetzungen hielt, schnitt er sie, wo er konnte, beschäftigte sie mit zweitklassigen Aufgaben und ließ zuweilen ungeniert durchblicken, daß er auf ihren Rat keinen großen Wert lege. Mack aber bekam von Anfang an das Wohlwollen von Rogers zu spüren. Der 56jährige Panzergeneral, vor seiner Versetzung zur Nato Kommandeur des III. Bundeswehrkorps in Koblenz, entspricht eher als Luther und Kießling dem Haudegen-Typ, den Rogers schätzt. Der Vize-Job bei der Nato gilt als ungemein schwierig. Die beiden Stellvertreter des Oberbefehlshabers - ein Brite und ein Deutscher - sind nicht in die Kommandostruktur des Hauptquartiers einbezogen. Da sie nichts zu befehlen haben, können sie nur beraten - wenn der Chef auf sie hört. Zum ersten Mal scheint Rogers jetzt gewillt, seinen deutschen Stellvertreter aufzuwerten: Er versprach Mack, die Aufgaben zwischen ihm und dem britischen Vize neu zu verteilen. Damit bekäme Mack Gelegenheit, stärker in der operativen Planung mitzureden. Bisher mußte er sich, wie Kießling und Luther, vor allem um Nachschub-Probleme und elektronische Kriegsführung kümmern. Auch protokollarisch ist der Deutsche in der komplizierten Nato-Hierarchie jetzt eins raufgerückt. Vor drei Wochen schied sein altgedienter britischer Kollege, Peter Terry, aus dem Dienst. Dessen Nachfolger, Heeresgeneral Edward Burgess, muß mit der zweiten Stelle hinter dem Deutschen vorliebnehmen - weil Mack jetzt der Dienstältere ist.

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