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FRANKREICH Madame X

aus DER SPIEGEL 44/2000

Ein Phantom der V. Republik feiert Wiederauferstehung: der Monsieur X. Das war der legendäre Code für den Mann, der Charles de Gaulle bei den Präsidentschaftswahlen hätte schlagen können. Jetzt visiert eine Madame X den Elysée-Palast an - die gerade zurückgetretene Ministerin für Arbeit, Soziales und Solidarität, Martine Aubry. Bisher galt als sicher, dass es 2002 nur zwei potente Kandidaten geben würde, den gaullistischen Staatspräsidenten Jacques Chirac und seinen sozialistischen Premier Lionel Jospin. Doch die beiden Machtrivalen demolieren einander im Vorwahlkampf. Letzten Donnerstag enthüllte eine Umfrage des »France-Soir«, dass Martine Aubry schon jetzt für 41 Prozent der Franzosen »présidiable« ist (Jospin 48, Chirac 45). Die resolute Tochter des früheren Chef-Europäers Jacques Delors wird sich nächsten März zur Bürgermeisterin von Lille wählen lassen, um fern des Regierungsverschleißes Kräfte zu sammeln. Dann will die populäre Mutter der 35-Stunden-Woche aus der Tiefe des Raums attackieren: Premierministerin, wenn Jospin zum Staatschef gewählt wird oder - das Höchste - erste sozialistische Elysée-Kandidatin, falls Jospin scheitert. Die Partei ist nicht amüsiert: »Martine setzt auf eine Pleite ihres Förderers.«

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