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Hollywood Mächtige Freunde

Drei Medientycoons gründen eine neue Traumfabrik und wirbeln die Filmindustrie durcheinander.
aus DER SPIEGEL 42/1994

Vor kurzem noch sah Steven Spielberg ein schweres Erdbeben für Hollywood voraus. Die Produktionskosten, meinte der Star-Regisseur, seien außer Kontrolle und würden die Filmindustrie zerstören.

Nun verpaßt Spielberg der Branche selbst einen »seismischen Schock« (International Herald Tribune). Der Multimillionär, der für seinen letzten Film »Schindlers Liste« sieben Oscars einheimste, kann sich auf einmal »nichts Besseres vorstellen, als in unsere eigene Zukunft zu investieren«.

Hollywoods junger Mogul kündigte vergangene Woche an, er wolle zusammen mit dem Musik- und Filmproduzenten David Geffen und dem Ex-Disney-Manager Jeffrey Katzenberg ein eigenes Studio für Filme, Musik und Multimedia gründen. Bis zu 16 Spielfilme will das Trio nächstes Jahr drehen.

Der Plan, im vornehmen Hotel Peninsular in Beverly Hills enthüllt, elektrisierte die Branche und die Finanzstrategen an der Wall Street. Zum erstenmal seit 59 Jahren, als die Filmgesellschaft 20th Century Fox gegründet wurde, entsteht in Hollywood eine neue Traumfabrik der Giganten. Die Allianz der mächtigen Freunde versucht, an die Tradition der großen Studiobosse anzuknüpfen - als Filme noch mit Leidenschaft und nicht mit Buchhalterkalkül entstanden.

Das sei »die Chance des Lebens«, jubelt Katzenberg. Mit einem persönlichen Vermögen von zusammen fast zwei Milliarden Dollar kann das neue Dream-Team kreativen Schwung in die Branche bringen, die oft nur auf den kommerziellen Erfolg schielt.

Die drei ergänzen sich trefflich. Alle sind in die Jahre gekommene Wunderkinder, die sich aus der Unter- und Mittelschicht nach ganz oben gekämpft haben: *___Spielberg, 46, der erfolgreichste Regisseur der ____Geschichte, hat mit der Verwandlung seiner kindlichen ____Traumwelten in Kassenknüller neue Maßstäbe gesetzt. ____Filme wie »Der weiße Hai«, »E.T.«, »Jäger des ____verlorenen Schatzes« und »Jurassic Park« spielten ____Milliarden Dollar ein. *___Geffen, 51, begann seinen Aufstieg als Agent von ____Rockstars wie The Doors oder Crosby, Stills, Nash and ____Young. Seinen eigenen Musikkonzern, der die Popgrößen ____John Lennon, Elton John oder Guns N'Roses unter Vertrag ____hatte, verkaufte der Vorkämpfer für die Rechte der ____amerikanischen Homosexuellen für rund 660 Millionen ____Dollar. *___Katzenberg, 43, zählt zu den ehrgeizigsten und ____unbarmherzigsten Managern in Hollywood. Schon mit 31 ____Jahren lenkte er die Filmproduktion des Studios ____Paramount; zuletzt kurbelte er in den Disney-Studios ____Erfolgsfilme wie »The Lion King« an. Doch sein Plan, in ____naher Zukunft den Disney-Chef Michael Eisner zu ____beerben, scheiterte am Veto des Gründerneffen Roy ____Disney.

»Der Wettbewerb wird jetzt komplizierter«, meint Bill Mechanic, Präsident von 20th Century Fox. Die ambitionierte Gruppe um Spielberg verhandelt bereits mit mehreren großen Medienkonzernen, um den weltweiten Vertrieb ihrer Filme zu sichern. Eine Liaison reizt besonders die japanischen Elektronikriesen Matsushita und Sony. Beide kauften vor einigen Jahren für Milliardenbeträge die Studios Columbia und MCA/Universal - eine bislang noch nicht rentable Investition.

Schon seit Monaten kursieren Gerüchte, die Japaner suchten Partner für ihre Studios. Viele Branchenexperten sehen in dem Spielberg-Trio nun den erhofften Investor. Womöglich übernehmen die drei auch nur das Management.

Für ihr Projekt riskieren Spielberg, Katzenberg und Geffen nach eigenen Angaben erst mal 100 Millionen Dollar ihres Vermögens. Der Rest des nötigen Kapitals von bis zu 2 Milliarden Dollar soll von Wall-Street-Firmen kommen. »Das Telefon steht bei uns nicht still«, sagt Katzenberg.

Das Fachblatt Variety handelt den Software-König Bill Gates, den Gründer und Chef von Microsoft, sowie den mächtigen Manager John Mallone von der Kabel-TV-Firma TCI als Investoren. Auch der deutsche Medienriese Bertelsmann, schon lange an einem Stützpunkt in Hollywood interessiert, führt Gespräche.

Investor Geffen, befragt nach den Zukunftsaussichten, hält es mit einer Weisheit aus dem neuesten Filmhit »Forrest Gump": »Das Leben«, sagt die Titelfigur, »ist wie eine Pralinenschachtel. Man weiß nie, was man als nächstes bekommt.« Y

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