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Mainzer Versäumnisse

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aus DER SPIEGEL 33/1986

Was der rheinland-pfälzische Umweltminister Klaus Töpfer seinem saarländischen Kollegen Jo Leinen lautstark vorhielt, ist ihm am gleichen Wochenende selbst widerfahren: Auch seine Bediensteten versäumten es, eine Umweltverschmutzung großen Stils rechtzeitig an die zuständigen Stellen weiterzugeben. Am 25. Juli floß von 21 bis 5 Uhr vergiftetes Kühlwasser aus einem BASF-Kühler bei Ludwigshafen in den Rhein. Acht Stunden lang wurde der Fluß pro Stunde mit einer Tonne Dichlorethan verseucht, einem Stoff, der im Verdacht steht, Krebs auszulösen. Doch erst um 23.15 Uhr am 26. Juli, also mit mehr als 24 Stunden Verspätung, informierte die Wasserschutzpolizei Koblenz per Telex den Regierungspräsidenten in Darmstadt und das hessische Innenministerium - die falsche Adresse. Nach dem internationalen Meldesystem der Rhein-Anlieger »Rote Lampe« hätten Töpfers Rheinland-Pfälzer die Wasserschutzpolizei Mainz-Kastel benachrichtigen müssen. Als der Schaden in Darmstadt bekannt wurde, hatte die Dichlorethanwelle bereits das Wasserwerk Schierstein der Stadtwerke Wiesbaden passiert.

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