Zur Ausgabe
Artikel 74 / 78

Briefe

Mal was anderes
aus DER SPIEGEL 22/1979

Mal was anderes

(Nr. 19/1979, SPIEGEL-Titel »Wahlsiegerin Margaret Thatcher")

Zweifellos haben viele Frauen Mrs. Thatcher gewählt, ausschließlich, weil sie Frau ist, denn »das ist mal was neues, was anderes!«

Die bloße Geschlechtszugehörigkeit -- wie alle körperlichen Zugehörigkeiten -- sind neutrale Fakten und können

* Ausriß.

deswegen nicht legitimen Anlaß für Bewegungen, Weltanschauungen abgehen. Gesinnungen, die ethisch besetzt sind, werden ohnehin Diskriminierungen aufgrund rassischer oder geschlechtlicher Art bekämpfen -- und noch dazu einiges mehr.

Enskede (Schweden) HILDE RUBINSTEIN

Die führenden Astrologen rund um den Erdball waren sich einig, daß die Thatcher das Rennen machen würde, weil ihr Horoskop (13. Oktober 1925, neun Uhr vormittag, laut Auskunft des Privatbüros von Mrs. Thatcher) das Goethe-Siegel aufwies: Saturn im Zeichen des Skorpion am Aufgange!

Wir werden nicht nur ein, sondern viele blaue Wunder erleben! Die britischen Gewerkschaften werden an die Kandare genommen und (zunächst?) klein beigeben, der Ausländer-Terrorismus mit Stumpf und Stiel in Großbritannien ausgerottet. Der UdSSR-Weltmacht die Zähne gezeigt. Alle männlichen Weltpolitiker werden vor ihr »kuschen«. Die britische Monarchin wird die Thatcher, im Rahmen ihrer gesetzlichen Möglichkeiten, voll unterstützen.

Berlin EDMUND HERBERT TROINSKI

Schlagzeilen und Berichterstattung der meisten Massenmedien haben die objektive Tatsache in den Hintergrund treten lassen, daß hei den britischen Parlamentswahlen etwa 56 Prozent und damit die absolute Mehrheit der britischen Wähler gegen Margaret Thatchers Partei stimmten.

Helmut Kohl, der so gern vom Wählerwillen spricht und wissen muß, daß der Erfolg der Partei Margaret Thatchers lediglich auf die Spielregeln der britischen Wahl zurückzuführen ist, beeilte sich zu betonen, daß sich mit dem Sieg von Frau Thatcher die »große Hoffnung der europäischen Sozialisten zerschlagen habe«.

Anzeichen einer Bewegung zu einem »kultivierten« konservativ-rechtsextremen Trend halte ich für bedenklicher als rechtsextremistische Haudegen-Splittergruppen, die keine Massen hinter sich bringen.

Aachen JOSEF STEFFENS Betriebsrat ins Pharma- Außendienst

Zur Ausgabe
Artikel 74 / 78
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.