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Briefe

Manchmal schmerzhafte Solidarität
aus DER SPIEGEL 5/2002

Manchmal schmerzhafte Solidarität

Nr. 3/2002, Abwanderung: Weil immer mehr Ostdeutsche wegziehen, veröden die neuen Bundesländer

Obwohl Sie den zeitlichen Bogen Ihres Berichtes bis zum Jahr 2020 spannen, lassen Sie es aus, ein Szenario darzustellen, wie sich eine Osterweiterung der EU auswirken würde. Ich meine, dass das in Deutschlands Osten sich aufbauende Vakuum unsere östlichen Nachbarn nachgerade ansaugt. Es wäre sicher interessant zu überlegen, welche Volkswirtschaft dann letztlich den Nutzen aus unseren Aufbau-Ost-Billionen zöge. Nachdem mit Fördermitteln bislang vorwiegend Löcher gestopft wurden, wäre es an der Zeit, einmal zu erfassen, wo es in den neuen Ländern welche marktfähigen Ressourcen gibt, um diese dann gezielt zu fördern. Das wäre eine aussichtsreiche Methode, der Abwanderung Einhalt zu gebieten.

WORMS (RHLD.-PF.) RICHARD CLAUS

Ihr Artikel liest sich ja schrecklich. Meine Version lautet so: Die Generation der 20- bis 30-Jährigen wird in den traditionellen Zentren Ostdeutschlands die überwiegend durch zweitklassige Importe ausgetauschte ostdeutsche Intelligenz mittelfristig ersetzen. Dafür werden die hohen Investitionen in Kultur, Bildung (!) und Infrastruktur Anreize schaffen. Ausgewogenere Berichterstattung und verminderte Katastrophengeilheit der Medien würden diesen Prozess beschleunigen.

MACHERN (SACHSEN) RAYK NIEMIETZ

Sie nennen es Schizophrenie, dass der Osten Arbeitsplätze mit Geld aus dem Westen abzieht und der Westen noch Anlaufverluste tragen muss. Andere nennen es Solidarität, wenn der, der hat, dem abgibt, der nicht hat. Und die ist halt manchmal auch schmerzhaft.

WÜRZBURG CHRISTIAN KUHN

Unsere politische Kaste, gleich welcher Couleur, wollte den Aufschwung Ost durch den Abschwung West finanzieren. Folglich wird sich in den nächsten Jahren der Lebensstandard West dem des Ostens anpassen - nicht umgekehrt.

RAUBLING (BAYERN) GUNARS DENAVS

Ihr Artikel bedient alte Klischees. Nach meiner Erfahrung als Arbeitgeber kommt es genau zum Gegenteil der von Ihnen unterstellten Negativauslese im Osten. Wo Arbeitsstellen knapp sind, folgt insbesondere in den Ballungsräumen ein gnadenloser Ausleseprozess. Was meinen Sie, wer genommen wird, wenn auf eine Ausbildungsstelle 20 Bewerber kommen, und wer gehen muss? Sicher gibt es wegen der dort besseren Gehälter Wechsler gen Westen. Oftmals sind es aber diejenigen mit den schlechteren Voraussetzungen für einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, die hier keine, im Westen aber immer noch eine Chance haben.

RADEBEUL (SACHSEN) DR. ROLF-ACHIM KRÜGER

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