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Manipulation

aus DER SPIEGEL 8/1968

In einem Leserbrief an die »Zeit« warf der Berliner Student Werner Rügemer, Mitglied des »Arbeitskreises 34 Literaturtheorie« der Kritischen Universität, der Wochenzeitung »Manipulation« in der Berichterstattung vor. »Zeit«-Kulturchef Rudolf Walter Leonhardt antwortete dem Studenten unter anderem:

Die Berichterstattung einer liberalen Zeitung wird, ich gestehe es, an vier Stellen »manipuliert":

1. wird festgelegt, was die »Themen der Woche« sind, da es -- vielleicht können Sie das begreifen -- schlechterdings nicht möglich ist, über alles, was im Laufe einer Woche in der Welt geschieht, zu berichten.

2. wird festgelegt, wieviel Platz für jedes der ausgewählten Themen zur Verfügung steht, wobei jede »gründliche« Behandlung eines Themas auf Kosten eines anderen gehen muß.

3. wird einer aufgefordert, über dieses Thema zu schreiben -- meistens liegt dieser eine fest durch gewisse Zuständigkeiten, ohne die weder der SDS noch eine Zeitung technisch funktionieren kann; manchmal muß er aus mehreren möglichen Schreibern ausgewählt werden.

4. wird das endlich eingehende Manuskript von der Redaktion manipuliert (wir nennen es redigiert), eine Manipulation, die sich in der Regel darauf beschränkt, ihm durchaus repressiv die Herrschaftsformen des Duden zu oktroyieren.

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