Zur Ausgabe
Artikel 42 / 48

Margarete Underberg

aus DER SPIEGEL 11/1960

Margarete Underberg, 47, Witwe des Rheinberger Magenbitter-Fabrikanten Emil Underberg, hatte sich vor dem Amtsgericht Offenburg wegen versuchter Zollhinterziehung zu verantworten, nachdem ein Zollassistent im vergangenen August bei einer Nachkontrolle am Grenzübergang auf der Kehler Rheinbrücke 96 Schweizer Zigaretten eine angebrochene Hunderterpackung - in ihrem amerikanischen Straßenkreuzer gefunden hatte. Die Magenbitter-Witwe hatte die Zigaretten als Reiseproviant für sich, eine Freundin und den Chauffeur deklariert und einem anderen Zollbeamten, der nach Cognac forschte, geantwortet: »Ich bin Frau Underberg, ich habe selbst Cognac genug.« Die Zöllner waren restlos verbittert, als Dame Underberg auch noch drohte: »Ich kenne Ihren höchsten Chef in Bonn und werde mich bei dem beschweren.« Gegen den Strafbescheid des Hauptzollamts Kehl in Höhe von 50 Mark erhob Margarete Underberg Einspruch. Staatsanwaltschaft und Hauptzollamt stimmten bei der Offenburger Verhandlung nicht zu, das Verfahren wegen Geringfügigkeit einzustellen. Nun soll bei einem neuen Termin der Underberg -Privatchauffeur Siegfried Eghardt darüber aussagen, ob er bei früheren Einreisen in die Bundesrepublik tatsächlich größere Zigarettenmengen unbeanstandet importieren durfte, wie es der Underberg-Anwalt behauptet hatte.

Zur Ausgabe
Artikel 42 / 48
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.