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PERSONALIEN Marilyn Chambers, Billy Carter, Ladonn Amato, Rudolf Hausner, Kurt Waldheim, Sven Backlund, Ringo Starr

aus DER SPIEGEL 37/1977

Marilyn Chambers, 25 (Photo>, amerikanisches Startet, bat ihren photogenen Körper zur Aktiengesellschaft erklärt. 200 000 Anteile an dem ungewöhnlichen Unternehmen möchte die Darstellerin an den Mann bringen

für fünf Mark pro Stück. Unterstützt wird Marilyn bei der Transaktion durch ihren Freund und Manager Chuck Traynor, der den Gesellschafts-Gegenstand branchenüblich als »ausgezeichnete Investitionsanlage« bezeichnet. Traynor hofft auf ein gutes Geschäft: »Schon jetzt beläuft sich Marilyns Brutto-Jahresverdienst auf siebenstellige Dollarbeträge.«

Billy Carter, 40, jüngerer Bruder des US-Präsidenten, Tankstellenbesitzer und Reisender in Reklame, mußte sich bei seinem neuesten Werbefeldzug »endlich nicht mehr so einsam« fühlen (Billy) -- die Veranstalter hatten ihm die Bauchtänzerin Ladonn Amato, 29, zur Unterstützung engagiert (Photo). An seiner Assistentin zeigte Billy dann allerdings auch mehr Interesse als an dem Produkt, das beide in dem vornehmen New Yorker »21 Club« vorstellten -- einen Erdnuß-Likör mit dem Namen Lolita. Standhaft weigerte sich Biertrinker Billy, den von ihm gepriesenen süßen Schnaps auch selber zu probieren, und werbewidrig verabschiedete er sich von seinem Publikum zum Schluß sogar mit der Ankündigung, daß er nun »einen richtigen Schluck« haben müsse.

Rudolf Hausner, 62, österreichischer Maler ("Wiener Schule") und SPÖ-Wahlhelfer, läßt die Parteifreunde schon seit mehr als drei Jahren auf ein bestelltes -- und zum Teil bezahltes -- Werk warten. Der Staatspreisträger hatte 1972 vom österreichischen Bundesministerium für Unterricht und Kunst den Auftrag erhalten, bis Ende 1973 für die Pausenhalle der Höheren Technischen Bundeslehranstalt in Linz ein Bild zu malen -- für 1,6 Millionen Schilling (rund 225 000 Mark). Schon damals witterte die oppositionelle ÖVP einen »Subventionsskandal«, Unterrichtsminister Sinowatz jedoch verteidigte die Bild-Bestellung mit der »Pflicht des Kulturstaates, öffentliche Gebäude auch künstlerisch entsprechend zu gestalten«. Künstler Hausner kassierte inzwischen eine Million Schilling Vorschuß, ließ sich in sein Haus für die Arbeit an dem Auftragswerk extra eine versenkbare Staffelei einbauen und lieferte bislang nur einen Entwurf. Jetzt droht dem Professor die Vertragsauflösung -- und die Rückzahlungsverpflichtung.

Kurt Waldheim, 58, UN-Generalsekretär, machte während seiner Reise von Lagos nach New York bei einem Zwischenaufenthalt auf dem Genfer Flughafen Cointrin unliebsame Erfahrungen mit der Sparsamkeit der Schweizer -- und bewies eigene. Um die Zwangspause zu nutzen, wollte Waldheim aus dem VIP-Gästeraum im Nachbarland Österreich anrufen, um sich nach dem Gesundheitszustand seiner Schwiegermutter zu erkundigen, die kürzlich bei einem Autounfall schwer verletzt worden war. Die Genfer Airport-Telephonzentrale lehnte die Vermittlung jedoch ab: Anrufe aus dem VIP-Raum gingen auf das Konto der Schweizer

Gastgeber, Auslandsgespräche könnten daher nicht geführt werden. Waldheim verzichtete auf den Anruf. Erst bei einer weiteren Zwischenlandung in London kam der UN-Generalsekretär zu seinem Privatgespräch -- auf Kosten der britischen Steuerzahler.

Sven Backlund, 60, schwedischer Botschafter in Bonn, sammelte auf dem entwicklungspolitischen Forum der SPD in Wiesbaden in der vergangenen Woche nach eigener Aussage »durch eine Minute Schlummer neue Kraft zum Nachdenken« (Photo). Wissend, welche Strapazen ihn in der mehrstündigen Debatte erwarten würden, hatte Backlund sich gleich »schon vorsichtshalber nicht in die erste Reihe gesetzt«. Denn der Schwede ist nach eigener Einschätzung »der einzige Diplomat und Politiker der Welt, der offen zugibt, daß er von Entwicklungspolitik nicht ein Wort versteht«.

Ringo Starr, 37, einst Schlagzeuger der Beatles, der in den vergangenen Jahren als Solo-Sänger und Schauspieler vergeblich an frühere Erfolge anzuknüpfen versuchte, will nun als Designer Karriere machen -- Ringo entwirft Schachspiele. Zusammen mit einem fachkundigen Freund ließ der Trommler nach eigenen Zeichnungen fünf Bretter aus Rosen- und Mahagoniholz anfertigen. Die silbernen Figuren verraten den Schöpfer: Sie sind wie Hände geformt, die einen Rhythmus schnippen. Für den Verkauf seiner Versionen des königlichen Spiels (Preis pro Set: rund 12 000 Mark) konnte der Ex-Beatle und Mitglied des »Most Excellent Orders of the British Empire« den Londoner Juwelier Asprey gewinnen, zu dessen Kunden auch die Königin zählt.

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