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Personalien Marko Perkovic

aus DER SPIEGEL 35/2008

Marko Perkovic alias »Thompson«, 41, kroatischer Popsänger, provoziert seine Gegner: Mit seinen martialisch vorgetragenen Blut-und-Ehre-Songs schüre er Rassenhass - und das in einem Land, das derzeit über die Aufnahme in die EU verhandelt. Tatsächlich zeigen Thompson-Fans - der Name ist identisch mit einer Maschinenpistole, die der Musiker im jugoslawischen Bürgerkrieg trug - bei Konzerten gern den Ustascha-Gruß; Ustascha-Truppen hatten im Zweiten Weltkrieg mit Nazi-Deutschland gemeinsame Sache gemacht. Auch Parolen wie »Ubij Srbina« ("Töte den Serben") gehören zum Repertoire der Anhänger, die mitunter ganze Stadien füllen. Jüngst weigerte sich die Stadtverwaltung der istrischen Hafenstadt Pula jedoch, den Barden in der dortigen Arena auftreten zu lassen. Thompsons Management wettert: Die Redefreiheit werde eingeschränkt, und die Entscheidung zeige, dass die Politik in Istrien noch »Spuren des Bolschewismus« aufweise. Menschenrechtsorganisationen mahnen, dass man Thompson mit Verboten bloß zum Opfer mache. Ivo Banac vom Helsinki-Komitee in Zagreb versucht, positiv zu denken: Die aktuelle Diskussion zeige immerhin, dass das einstige Bürgerkriegsland auf dem richtigen Weg sei, mit derartigen Problemen umzugehen.

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