Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident:
»Döner macht schöner, das finde ich einen guten Spruch. Döner macht schöner. Und Döner bleibt Döner! Danke schön!«
Ein Ministerpräsident beim Döneressen, vom eigenen Medienteam aufbereitet? Wenn man sich den Social-Media-Auftritt von Markus Söder anguckt, sieht man schnell: Für den CSU-Chef ist Döner-Content praktisch Alltag.
Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident:
»Ich liebe Döner.«
»Ich liebe Döner, und zwar Döner immer mit allem.«
»Ich mag Döner.«
»Döner? Mag ich sehr!«
»Ich esse selber gern Döner, ja?«
Okay, verstanden. Diesmal gab es immerhin einen besonderen Anlass: Söder hatte 500.000. Follower auf Instagram erreicht – und lud deshalb zum Döneressen ein. Fast 45.000 Menschen sollen sich beworben haben, insgesamt 40 wurden ausgelost, für zwei Termine. Und: 500 Söder-Kebab-T-Shirts wurden auch noch verteilt.
Markus Söder, CSU-Chef:
»Das kann man im Urlaub schön anziehen. Da kann man auch nachts wohlig schlafen, schläft man bestimmt besonders gut drin. Oder man sieht einfach super aus drin.«
Anna Clauß, DER SPIEGEL:
»Markus Söder war ja schon immer ein Politiker, der für Überraschungen gut ist und mit lustigen Aktionen für Aufsehen gesorgt hat. Und in letzter Zeit muss man aber sagen: Das nimmt schon exponentiell zu, diese Quatschauftritte. Also da gab es dieses Söder-Ei.«
Markus Söder, CSU-Chef:
»Ein Mega-Osterei aus Schokolade. Es duftet herrlich und was ganz besonders erfolgreich ist: Es hat eine ganz interessante Bemalung bekommen.«
Anna Clauß, DER SPIEGEL:
»Es gab diesen Auftritt bei Inas Nacht, wo er gesungen hat.«
Gesang Markus Söder
Anna Clauß, DER SPIEGEL:
»Also man hat schon langsam das Gefühl: Der Ministerpräsident ist schon ein bisschen süchtig auch nach Likes, nach Leuten, die Selfies mit ihm machen wollen, nach Zustimmung und Daumen hoch. Und das war früher nicht so extrem und nimmt jetzt aber schon wirklich auffällig extreme Züge an.«
Politische Botschaften verbreitet Söder auch auf Social Media, wie hier auf Instagram.
Allein: Sie gehen quasi unter.
Anna Clauß, DER SPIEGEL:
»Mein Eindruck ist, dass Markus Söder sich langsam in der Politik zu langweilen scheint. Man hört auch, dass er so Kabinettskonferenzen, Sitzungen total gelangweilt eröffnet. Man sieht ihn auch danach bei Pressekonferenzen kaum noch. Was man von ihm mitkriegt dann aus den Kabinettssitzungen, ist, dass er den Teller vor sich abfotografiert. Also letzte Woche gab es zum Beispiel Salami-Pizza.«
Essen – das dominiert Söders Social-Auftritt tatsächlich über den Döner hinaus. Unter dem Hashtag #söderisst teilt er schon lange gern seine Mahlzeiten.
Anna Clauß, DER SPIEGEL:
»Mich belustigen die Bilder von Markus Söder beim Döneressen oder beim Shanty-Lieder singen nicht so sehr, mich machen sie eher ein bisschen traurig, weil ich denke: Es ist so schade, wie wenig dieser eigentlich fähige Politiker aus seiner politischen Macht macht. Wenn man Macht hat, dann muss man sie doch nutzen, um vielleicht seine Prominenz zur Verbesserung der Lebensumstände von anderen zu nutzen, wie eben zum Beispiel bei der Bergwacht. Aber man hat eben das Gefühl, dass die Bergwacht nur dafür da ist, Markus Söder in Szene zu setzen. Und es sollte doch eigentlich andersrum sein.«
Bergwacht? Ahja, da war noch was.
Das Ziel dieser Selbstinszenierung dürfte klar sein: Bekanntheit, Popularität durch vorgeführte Volksnähe – das ist alles wichtig in der Politik.
Anna Clauß, DER SPIEGEL:
»Und natürlich hat er einen größeren Plan und ich glaube schon auch, dass er meint, auf die Art und Weise sich im Rennen um die Kanzlerkandidatur halten zu können. Man muss ja nur in andere Länder gucken. Da sieht man auch, dass eine gewisse Infantilisierung der Politik eingesetzt hat, dass Menschen sich auch gar nicht mehr für echte Inhalte interessieren, sondern für Figuren. Sie wollen als auch Politik als Show konsumieren und so ein Bedürfnis gibt es in der Bevölkerung. Und dieses bedient Markus Söder auch, volle Kanne.«