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ÖSTERREICH / LUFTVERKEHR Marsch auf Wien

aus DER SPIEGEL 8/1968

Österreichs Fluggesellschaft, die »Austrian Airlines« (AUA), will von Österreichs Städten nur noch eine anfliegen: Wien.

Wenn Graz und Salzburg, Innsbruck, Linz und Klagenfurt auch künftig Luft-Anschluß haben wollten, so forderten die AUA-Manager, müßten Österreichs Bundesländer erst einmal zahlen.

Denn: Die AUA hat knapp 16 Millionen Mark Defizit. Allein beim Binnen-Flugverkehr setzt die Gesellschaft nach eigenen Angaben jährlich rund vier Millionen Mark zu.

Defizite im Inlandsverkehr sind zwar durchaus nicht ungewöhnlich. Die Lufthansa beispielsweise beziffert ihr Minus im Deutschland-Dienst für 1967 auf »weit über 30 Millionen Mark«, Hollands KLM verlor drei Millionen Mark, Swissair-Generaldirektor Berchtold hält Flüge unter 500 Kilometer überhaupt für unrentabel: »Von einem Geschäft kann da keine Rede sein.«

Doch keine dieser Gesellschaften drohte je mit Flugstille. Im Gegenteil: Sie alle wollen ihre Kurzdienste weiter ausbauen.

Die Direktoren der österreichischen Binnen-Flughäfen protestierten gegen den geplanten Rückfall ins Mittelalter des Flugverkehrs: Sie beantworteten das AUA-Ultimatum mit einem Marsch auf Wien.

Die betroffenen Städte und Bundesländer, so erklärten die Direktoren am vorletzten Mittwoch in der Hauptstadt, seien durchaus bereit, die »AUA zu subventionieren. Allein die Stadt Linz habe zwischen einer halben Million (77 000 Mark) und zwei Millionen Schilling (308 000 Mark) angeboten.

Sie verlangten aber zwei Gegenleistungen von der AUA, die sich »freundliche Fluglinie« nennt. Sie soll

> die Pisten im Landesinnern künftig häufiger anfliegen als bisher und vor allem

die roten Zahlen aus dem Binnenverkehr offenliegen.

»Ins Blaue hinein zahlen wir nicht«, erregte sich Stadtrat Dr. Heinz Pammer aus Graz. Wie seine Kollegen bezweifelt er, daß die AUA allein im Binnenverkehr vier Millionen Mark habe zusetzen müssen.

Obendrein legten die Emissäre aus den Landeshauptstädten der Presse ein AUA-Sündenregister vor, das die Gesellschaft als unpünktlich, unzuverlässig und engstirnig darstellt.

So fielen allein im letzten Jahr 110 Flüge nach Innsbruck aus -- nicht wegen schlechten Wetters, sondern wegen »technischer Schwierigkeiten«. Die Folge: In Innsbruck, wo bis 1963 noch lange Wartelisten geführt werden mußten, geht die Zahl der Fluggäste immer weiter zurück.

Die beiden meist im Binnenverkehr eingesetzten Maschinen vom Typ Hawker-Siddeley »Belvedere« bieten zwar 44 Passagieren Platz, haben aber ein für das bergige Österreich viel zu schlechtes Steigvermögen. Die Folge: Sie müssen immer wieder Ausweichkurse fliegen und verspäten sich deshalb.

Die AUA hat aber das Monopol im innerösterreichischen Luftverkehr. Deshalb dürfen ausländische Gesellschaften die Landeshauptstädte nur selten anfliegen. Das Landerecht wird fast nur auf Gegenseitigkeit erteilt, obwohl die AUA mit einem Maschinenpark von nur fünf Caravelles, vier Viscounts und zwei Belvederes gar nicht in der Lage ist, auch ausländische Flughäfen in größerem Umfang zu bedienen.

Dennoch darf die jugoslawische Jat auf ihrer Linie Zagreb-Zürich den Flughafen Graz-Thalerhof nicht anfliegen, und die britische BEA mußte ihre Sommer-Flüge über Klagenfurt von sieben- auf dreimal in der Woche reduzieren. Die Zahl der BEA-Passagiere auf dieser Strecke ging daraufhin von 17 332 im Jahr 1966 auf 6729 im Jahre 1967 zurück, ohne daß die AUA Fluggäste für sich gewinnen konnte.

AUA -- Vorstandsdirektor Lambert Konschegg indessen sucht neue Einnahmequellen außer Landes: Gemeinsam mit der ebenfalls defizitären belgischen Sabena will er in das gewinnträchtige Transatlantik-Geschäft einsteigen.

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