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Martin Walser

aus DER SPIEGEL 7/2004

Martin Walser , 76, Schriftsteller ("Tod eines Kritikers"), hat an einem ihm gewidmeten Reiterdenkmal in seiner Heimatgemeinde keine Freude. Die »Bodenseereiter« geheißene sechs Meter hohe Betonskulptur war von dem Bildhauer Peter Lenk vor viereinhalb Jahren in Überlingen enthüllt worden (SPIEGEL 26/1999). Sie zeigt den Dichter mit Schlittschuhen statt festem Schuhwerk, reitend auf einer widerspenstigen Mähre. Walser sei, so hatte der Bildhauer seinerzeit sein Werk erklärt, ein »Eiskunstläufer zu Pferde auf den zugefrorenen Seen deutscher Geschichte. Er steigt erst ab, wenn das Eis gefährlich dünn wird, dann dreht er seine Pirouetten«. In einem Interview mit dem Magazin »Profil« behauptet der Dichter nun, er habe sich »das Denkmal jedenfalls nie angeschaut«. Mehr noch, er gehe »dort, wo es steht, nicht mehr hin«. Sogar seinen Friseur habe er gewechselt, »damit ich da nicht mehr vorbeikommen muss«. Walser fassungslos: »Da wohnt man 30 Jahre in einer Stadt, und dann stellen sie einfach so etwas auf.« Bildhauer Lenk hatte bei der Enthüllung geglaubt, »Walsers Sinn für Ironie« werde ihm »schon über die Denkmalisierung hinweghelfen«.

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