Zur Ausgabe
Artikel 10 / 130

Fleisch Massenhaft Rückstände

aus DER SPIEGEL 32/1996

Mehrere tausend Tonnen Fleisch aus deutschen Ställen, das mit dem verbotenen Tierarzneimittel Chloramphenicol (CAP) verseucht war, sind 1995 in Metzgereien und Lebensmittelmärkten verkauft worden. Diesen alarmierenden Befund teilte jetzt das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin den obersten Veterinärbehörden der Bundesländer mit. Das Antibiotikum Chloramphenicol, das bei empfindlichen Verbrauchern zu schweren Knochenmarkschädigungen führen kann, war im August 1994 EUweit verboten worden. Dennoch wurde es von deutschen Bauern und Tierärzten 1995 massenweise angewandt: In jedem 30. Tier, das Amtsveterinäre untersuchten, fanden sich Rückstände. Am meisten belastet waren Kälber: 18 Prozent aller Proben erwiesen sich bei der Untersuchung von Rückständen in den Ställen als verseucht. Bei Schweinefleischproben, die bislang nur vom toten Tier im Schlachthof genommen werden dürfen, waren 3,2 Prozent CAPbelastet. Experten gehen jedoch von einer weit höheren Dunkelziffer des illegalen Chloramphenicolverbrauchs aus. »Insgesamt belegen die Befunde ein bisher in Deutschland nicht bekanntes Ausmaß der mißbräuchlichen Anwendung einer verbotenen Substanz«, schreibt das Bundesinstitut.

Zur Ausgabe
Artikel 10 / 130
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.