Zur Ausgabe
Artikel 39 / 68

Briefe

MATROSENLIEBE
aus DER SPIEGEL 8/1961

MATROSENLIEBE

Der SPIEGEL hat mit dem Dönitz-Bericht eine erfreulich positive Ausnahme in der Reihe seiner bisherigen Offiziersporträts gemacht. Dafür sollte man ihn loben und die Bitte anknüpfen, doch in Zukunft so weiterzumachen.

Erlenbrunn (Pfalz)

A.F. SINGER

Ich habe in den letzten Jahren kaum einen so bedauerlichen Artikel gelesen wie den über Dönitz. Was hier dem deutschen Volk und darüber hinaus unseren westlichen Partnern vorgesetzt wird, ist so aufgezogen, daß man einfach glauben soll, in der Bundesmarine sei der NS-Geist stationiert. Manchmal hat man den Eindruck, als habe sich, ein Hitlerpimpf a.D. hier Minderwertigkeitskomplexe abreagiert. Untersuchen Sie doch bitte, wer wann und wo einmal was über Herrn Hitler gesagt hat. Denken Sie doch nur daran, daß ein Professor Heuss einmal dem Ermächtigungsgesetz Hitlers zustimmte. Wenn Politiker, die später zur Elite unserer Bundesrepublik gehörten, dieses Votum ohne Hemmung gaben, was verlangen Sie da von Offizieren, die einfach nichts von Politik verstanden oder nur bedingt »Politiker« waren? Das schreibe ich Ihnen als ehemaliger Widerstandskämpfer und anerkannter Verfolgter des Naziregimes, weil ich es unwürdig finde, daß ein deutsches Nachrichten-Magazin sich zu einem Ton herabäßt, den wir vom »Neuen Deutschland« her kennen.

Hamburg Langenhorn

PAUL BRAASCH

Herzlichen Dank für diesen taktvollen und fairen Bericht. Sollten Sie etwa den Flegeljahren entwachsen sein?

Göttingen REINER THIES

Was schnorchelt Ihr an Dönitz rum? Alter U-Boot-Tratsch!

Garmisch-Partenkirchen TH. LEPPERT

Für den, der zu lesen versteht, ist es trotz allem das Hohelied auf die Haltung der deutschen Marine-Offiziere alter und neuer Prägung.

Trossingen (Württ.) GUSTAV WÜTHERICH

Allein das Titelblatt stellt eine solche Geschmacklosigkeit dar, daß es sich eigentlich von selbst verbieten sollte, in dem Heft auch nur zu blättern. Ich habe es aber dennoch getan. Das Niveau dieses Artikels wird ernsthafte Leser Ihrer Zeitschrift nicht befriedigen. Ihre Ausführungen vermögen auch nicht alte Seeleute - gleich ob sie der Kaiserlichen, der Reichs- oder der Kriegsmarine angehört haben - irrezumachen und sie aus politischer Opportunität plötzlich gegen den Mann einzunehmen, dem nicht nur sie selbst Achtung zollen, sondern darüber, hin- aus sogar der ehemalige Kriegsgegner.

Alsenborn (Pfalz) DR. MAX SCHMIDT

Es ist nicht fair, der Marine irgendwelche nazifreundlichen Äßerungen von Dönitz vorzuhalten, weil das Einstehen der Marinesoldaten für ihren ehemaligen Befehlshaber anderen Motiven entspringt. Es ist dies der berechtigte Stolz darauf, daß die Marine unter der Führung von Dönitz und Raeder noch den anständigsten Kampf von allen Wehrmachtsteilen geführt hat. So sind auch die Nürnberger Urteile, was Dönitz und Raeder angeht, die moralisch und juristisch anfechtbarsten.

Düsseldorf LOTHAR BUSSE

Am allerwenigsten durfte Großadmiral Dönitz vor dem Nürnberger Tribunal angeklagt werden, einen Angriffskrieg »vorbereitet« zu haben*, denn er war bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erst Kapitän zur See!

Aachen FRITZ-ALBERT MÜNCHOW

Ich habe mich durch Ihren Artikel hindurchgeackert; bei den Unebenheiten, logischen Schnitzern und Unsauberkeiten keine einfache Arbeit. Als Deutschlehrer hätte ich Ihren Aufsatz nicht mit »genügend« zensieren können. Was haben Sie eigentlich bezweckt? Nach den vielen hämischen Bemerkungen zu urteilen, die Herr v. Schnitzler nicht besser gemacht hätte, sollten doch wohl Dönitz und jeder, der sich einmal über ihn als Mensch und militärischen Führer anerkennend geäußert hat, verurteilt werden. Sieht man indes von diesen Ausführungen ab, so bleiben erstaunlicherweise so viele positive Urteile, daß Dönitz und die U-Boot-Waffe nicht schlecht wegkommen. Wenn Sie schreiben, »wie im Weltkrieg I waren kostbare Jahre verloren«, dann war daran nicht Dönitz schuld: Er hatte von Beginn der Aufrüstung an immer wieder auf die Vordringlichkeit des Baus von Atlantik-U-Booten hingewiesen. Wenn trotz der mangelhaften Vorsorge vor dem Krieg Dönitz mit seinen U-Booten und seiner Rudel-Taktik gegen Konvois einen Erfolg hatte, der den amtlichen Marinehistoriker der britischen Admiralität zu der Äußerung veranlaßte: »Man fühlte, auch wenn niemand es zugab, daß uns die Niederlage ins Gesicht starrte«, so ist doch wohl der Gedanke nicht ganz abwegig, daß ein Eingehen auf die, Vorstellungen von Dönitz vor dem Kriege, der U-Boot-Waffe alle Aufmerksamkeit zu schenken, zu noch größeren Erfolgen, vielleicht sogar zur Aufgabe des Krieges durch England geführt hätte.

Hamburg 22 C. A. CLAUSSEN

Konteradmiral a.D.

Die von Ihnen so deutlich gezeichnete neuerliche Inkarnation Dönitzschen Geistes kann man nicht ohne Widerwillen über sich ergehen lassen.

Reutlingen MARTIN SCHANZ

Aus dem Kriegstagebuch des OKW: »1. Mai 1945/1.22 Uhr Funkspruch Großadmiral Dönitz an den Führer: 'FRR. Führerhauptquartier. Mein Führer, meine Treue zu Ihnen wird unabdingbar sein. Ich werde daher alle Versuche unternehmen, um Sie in Berlin zu entsetzen. Wenn das Schicksal mich dennoch zwingt, als der von Ihnen bestimmte Nachfolger das Deutsche Reich zu führen, werde ich diesen Krieg so zu Ende führen, wie es der einmalige Heldenkampf des deutschen Volkes verlangt. Großadmiral Dönitz.'«

Bielefeld

HEINRICH BALKE

... unverschämt! Wir alten Deutschen sind nicht so dumm, wie Sie uns verscheißern wollen. Ich war Obermaat bei Kaleu Prien und habe den letzten Krieg in allen Phasen erlebt. Wir Mariner werden letzten Endes auch einen nächsten Schlag - den Gott verhüten möge - entscheiden. Verdienst, wem Verdienst gebührt. Ahoi!

Münster (Westfalen)

J. K. VETTRÖTER

Ich bin aufs tiefste enttäuscht. Der SPIEGEL war fast die einzige Hoffnung, die übrigblieb im neuen deutschen Rechtsstaat. Fahren Sie so fort wie in Ihrem Dönitz-Bericht, werden Sie bald der »Soldatenzeitung« und den Landserheften den Vorrang streitig machen können. Eins werden Sie durch solche Artikel erzielen: Ausländern, denen es bisher schwerfiel, nicht an der Gesundheit des Adenauer-Deutschland zu zweifeln, die aber trotzdem der Hoffnung waren, daß die Deutschen belehrbar seien, werden Sie es leichter machen, das endgültige Urteil zu fällen.

Lyngby (Dänem)

B. SCHOTT-KRISTENSEN

Die Tirpitzsche Flotte wurde gebaut, um durch das Risiko eines Seekriegs England davon abzuhalten; die gefährliche wirtschaftliche Konkurrenz Deutschland durch Machtmittel niederzuschlagen. Lediglich der Energie eines Churchill ist es im August 1914 gelungen, das widerstrebende englische Kabinett mit der Mehrheit von einer Stimme zur Kriegserklärung zu bewegen. Diese eine Stimme hat aus einem Kontinentalkrieg einen Weltkrieg gemacht und damit den Grundstein zur heutigen Weltlage gelegt.

Die Tirpitzsche Flotte war für den Kampf in der Nordsee gebaut. Ihr Einsatz in einem atlantischen Seekrieg war technisch undurchführbar. Wie wir heute wissen, lag in den ersten Kriegsjahren ein entscheidender Erfolg für uns in der Nordsee zum Greifen nahe. Die Gelegenheit wurde nicht erkannt und versäumt.

Der spätere »Z-Plan"* stellte den Versuch dar, durch eine strategische Bedrohung des Seeverkehrs England von einem Kriege abzuhalten. Technisch wäre es natürlich möglich gewesen, statt des Z -Plans eine große U - Boot-Flotte zu bauen. Eine einschlägige Ergänzung der Flottenabkommen mit England aber war ausgeschlossen. Politisch hätte es damals keine wirkungsvollere Möglichkeit gegeben, um einen Krieg mit Großbritannien zu provozieren.

Mit dem Tage des Kriegsausbruchs wurden dann selbstverständlich alle Arbeiten am Z-Plan sofort eingestellt, und der ganze Kriegsschiffbau wurde auf die Anforderungen des U-Boot-Krieges zugeschnitten. Der bei Kriegsbeginn dafür aufgestellte Bauplan ist bis zum Zusammenbruch des U-Boot-Kriegs im Jahre 1943 unverändert durchgeführt worden. Die Angabe, daß erst nach dem Erfolg von Kapitänleutnant Prien die Umstellung auf den U-Boot-Bau erfolgt sei, ist in vollem Umfang unzutreffend.

Kitzeberg (Kiel) WERNER FUCHS

Admiral a.D.

Ehem. Chef des Hauptamts Kriegsschiffbau im Oberkommando der Kriegsmarine Gestatten Sie mir eine Ergänzung: Herrn v. Tirpitz wurde durch AKO vom 27. Januar 1911 »Rang und Titel« eines Großadmirals verliehen, während zum Beispiel Prinz Heinrich durch Patent vom 4. September 1909 zum Großadmiral »befördert« worden war. Das Begleitschreiben des Kabinettchefs v. Müller an Tirpitz enthielt vier silberne Sterne für die Achselstücke. Damit wurde Tirpitz ein deutlicher Wink gegeben, daß er nicht befugt war, die gekreuzten Marschallstäbe auf seinen Achselstücken und Epauletts zu tragen. Wie ich von seinem damaligen Adjutanten erfuhr, hat v. Tirpitz vor Wut geweint.

Berlin W 15 PROF. DR. G. A. ROST

Marine-Generaloberarzt a.D.

Der von Ihnen zitierte Kormoran-Befehl war bereits Gegenstand der sowwjetrussischen Anklage gegen Dönitz vor dem Nürnberger Militär-Tribunal. Dabei stellte sich heraus, daß tatsächlich im australischen Kormoran-Lager keine deutschen Kriegsgefangenen »umgelegt« worden waren. Vielmehr hatte sich in dem Lager Patago-Park, Arizona, USA, ein Spitzel dazu hergegeben, neu eingelieferte U-Boot-Männer über militärische Einzelheiten auszuhorchen und diese Nachrichten an den Feind weiterzugeben. Nach der Entdeckung war der Mann von seinen Kameraden beseitigt worden. Die Nachricht darüber gelangte durch einen geheimen Code nach Deutschland. Um diesen Code nicht zu gefährden, wurde die sachlich unrichtige Darstellung des »Kormoran-Befehls« gegeben. Auf Grund dieses Sachverhalts hat das Nürnberger Gericht jenen Anklagepunkt fallenlassen, offenbar, weil von allen Nationen die Beseitigung von Spitzeln in einem Kriegsgefangenenlager als berechtigte Selbsthilfe angesehen wird.

Düsseldorf OTTO KRANZBÜHLER

Wenn Dönitz des Führers oder Teufels Admiral war, - welcher Rang gebührt dann den ihn bewundernden Admiralen?

Lübeck KARL ALBRECHT

Amtsrat

Du hast die ganze Marine ganz schön in Braß gebracht. Spiegelchen, träck Din Blächbüx an!

Frankfurt H.-K. MESCHKE

* In diesem Punkt der Anklage wurde Dönitz freigesprochen,

* Hitlers »Plan Z« sah den Neuaufbau der deutschen Kriegsflotte bis 1948 vor. Der Schwerpunkt lag, wie vor dem Ersten Weltkrieg, bei schweren Überwassereinheiten.

Claussen

Fuchs

Rost

Kranzbühler*

* Letzter Flottenrichter der Kriegsmarine. Auf englisches Betreiben Verteidiger in Nürnberg. Plädierte unter anderem für Dönitz.

Mehr lesen über

Zur Ausgabe
Artikel 39 / 68
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.