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Matthias Koeppel

aus DER SPIEGEL 16/1987

Matthias Koeppel, 49 (Photo o.), Schöpfer der neuen Wandgemälde im Sitzungssaal des Berliner Senats, verunsicherte seine Auftraggeber. Im Vordergrund eines 10 mal 2,85 Meter großen Panoramas von der Mauer (Photo r. unten) hatte der Kunstmaler die Senatsrunde um Bürgermeister Eberhard Diepgen »als ganz normale Bürger ohne Heiligenschein« placiert. Koeppel, Mitglied der skurril-abgründigen »Schule der Neuen Prächtigkeit«, entdeckte schon früher sein glossales Verhältnis zu Politikern, etwa in dem von ihm ersonnenen »Starckdeutsch": »Jarr, die graußßn Kandidautn krünsn vnn denn Wuhlplackautn wü gekuchtar Tschwuinebrautn.« Daß nun im Senat sein neues 150000-Mark-Werk als »geschmacklos« empfunden wird, kann der Maler nicht nachvollziehen: »Die haben sich vorher vielleicht mit mir nicht so befaßt.« Er lehnte die Diepgen-Bitte, die Senatorengesichter zu übermalen, ab, berücksichtigte jedoch »Korrekturwünsche": Der Gesundheitssenator

soll nun größer werden, der Innensenator, weil er auf die Folterkeller des früheren Gestapo-Hauptquartiers blickt, nicht mehr grinsen. Außerdem nahm Koeppel weitere Polit-Promis ins Bild, neben einem Igel als Symbol der Alternativen Liste den Parlamentspräsidenten sowie führende Sozialdemokraten (Photo r.). Damit reicht's dem Maler: »Ich kann doch nicht den ganzen Berliner Sumpf abbilden.«

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