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KÖLN Max geht

aus DER SPIEGEL 43/1964

Der Sohn handelte wie der Vater:

Er faßte einen einsamen Entschluß. Am Dienstag letzter Woche suchte der Kölner Oberstadtdirektor Dr. Max Adenauer, 54, den Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Stadtparlament, John van Nes Ziegler, auf und stellte für 1965 sein Amt zur Verfügung. Des einstigen Kölner Oberbürgermeisters und späteren Bundeskanzlers Sohn teilte mit, daß er auf eine Wiederwahl zum städtischen. Behördenchef im nächsten Jahr verzichten werde.

Die »kommunalpolitische Sensation« ("Kölner Stadt-Anzeiger") war perfekt, denn nie hatte es um den fähigen Kommunalbeamten Parteienstreit gegeben. Und während des diesjährigen Kommunalwahlkampfes im September versicherte Kölns SPD-Oberbürgermeister Theo Burauen ausdrücklich, daß die Sozialdemokraten den christdemokratischen Verwaltungschef Max Adenauer am 1. Oktober 1965 in seinem Amt bestätigen würden.

Burauen letzte Woche: »Ich persönlich und meine Parteifreunde waren davon überzeugt, daß Dr. Adenauers Wiederwahl Nutzen für Köln bringen würde.«

Max Adenauers Absage verblüffte gleichermaßen SPD wie CDU, zumal der Oberstadtdirektor am vergangenen Dienstag seine Rücktrittsankündigung

- nach fünfjähriger Tätigkeit als Beigeordneter und elfjähriger Amtszeit als Verwaltungschef - nicht motivierte. Vermutete SPD-Fraktionsführer van Nes Ziegler: »Vielleicht ist es das Unbehagen an der Situation.«

Das stimmte. Die Kommunalwahlen in Köln hatten der SPD 40, der CDU nur 27 Ratssitze im Stadtparlament eingebracht. Adenauer zum SPIEGEL: »Bei den jetzigen Mehrheitsverhältnissen im Rat sind Veränderungen in meinem Kollegenkreis zu erwarten.«

Adenauers »Kollegenkreis« ist das Beigeordneten-Kollegium. Es besteht aus den zwölf Ressortchefs der Kölner Stadtverwaltung: Wahlbeamte auf zwölf Jahre.

Der Wahlsieg gibt der SPD die Möglichkeit, bei den Beigeordneten-Nachwahlen Leute ihrer Couleur in das Kollegium zu entsenden. Damit würde Adenauer einer Verwaltung präsidieren müssen, in der er und seine Partei unterlegen wären. Max Adenauer: »Ich hätte nicht mehr arbeiten können, wie ich es mir vorstelle. Da ich für Wahrheit bin, habe ich die Konsequenzen gezogen.«

Die Kölner SPD respektierte den Wunsch Adenauers, der sich um einen Posten in der Wirtschaft bemüht, recht schnell. 24 Stunden nachdem Adenauer Amtsmüdigkeit bekundet hatte, stellte sie schon einen Nachfolger: Professor Dr. Heinz Mohnen, Amtsgerichtspräsident in Köln.

Kölner Oberstadtdirektor Adenauer

Unbehagen an der Situation

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