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PERSONALIEN Maxim Schostakowitsch

aus DER SPIEGEL 21/1981

Maxim Schostakowitsch, 43 (Photo), Moskauer Star-Dirigent und Sohn des 1975 verstorbenen sowjetischen Komponisten Dmitrij Schostakowitsch, der sich im April in den Westen absetzte, wurde in einem Abschiedskommentar der »Literaturnaja gaseta« mit den üblichen Beschimpfungen bedacht und als »zweitklassiger Musiker« dargestellt, der »seinen eigenen Vater verkauft«. Mit keinem Wort, aber aus gutem Grund, erwähnte das Blatt einen Vorfall, der den Dirigenten letzten Winter in Schwierigkeiten brachte: Schostakowitsch hatte auf der Fahrt von Kiew nach Moskau einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem zwei Insassen eines entgegenkommenden Autos ums Leben kamen. Obwohl die Polizei feststellte, daß der Musiker am Steuer eingeschlafen war, hieß es im Protokoll, ein »Defekt« an seinem amerikanischen Wagen sei die Unfallursache. Ein nach Sowjet-Recht zwingend notwendiges Verfahren wurde nicht eröffnet. Jetzt eignet sich der Fall nicht mehr zur Verwendung gegen ihn, weil sonst auch erklärt werden müßte, weshalb der damals noch prominente Rubelmillionär ungeschoren davonkam.

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