Zur Ausgabe
Artikel 55 / 102
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

USA McCains Lobby schmilzt

aus DER SPIEGEL 22/2008

Lange hatte Präsidentschaftsbewerber John McCain an seinem Image als Saubermann der US-Politik poliert. Nun hat das Bild empfindliche Kratzer bekommen. Zahlreiche Lobbyisten, die sich als enge Vertraute in seinem Wahlkampfteam engagieren, werden zur ernsten Belastung für den Republikaner. »Tatsache ist, dass John McCains Team von Washingtoner Lobbyisten geleitet und mit deren Geld bezahlt wird«, sagt sein vermutlicher Gegner, der Demokrat Barack Obama.

Fünf prominente Berater mussten in den vergangenen Wochen bereits gehen, andere dürften folgen. Spendensammler Tom Loeffler etwa, der Co-Vorsitzende für McCains Wahlkampffinanzen, nahm seinen Hut, als öffentlich wurde, dass er früher als Lobbyist saudi-arabische Interessen vertrat. Andere McCain-Vertraute hatten sich für Burmas Militärjunta verwendet. Eilig stellte der Kandidat nun neue Ethikrichtlinien für seine Mitarbeiter auf. Doch die Kritik wird immer schärfer, denn auch an weiteren Top-Leuten des Republikaners klebt der Verdacht zweifelhafter Lobbyarbeit. McCains Chefberater Charlie Black, republikanisches Urgestein in Washington, hat früher Despoten wie Zaires berüchtigten Präsidenten Mobutu Sese Seko oder den brutalen angolanischen Unita-Rebellenführer Jonas Savimbi vertreten. Ausgerechnet McCains Teamleiter Rick Davis, der zugleich Autor der neuen Ethikrichtlinie ist, hatte den Kontakt zu einem russischen Milliardär hergestellt, dem US-Behörden Verbindungen zur Organisierten Kriminalität nachsagen. Einer von McCains Leuten quittierte aber aus ganz anderen Gründen seinen Dienst: Medien-Profi Mark McKinnon hatte vorigen Juni geschworen, er werde nicht gegen den von ihm geschätzten Obama Wahlkampf machen. Und McKinnon hält Wort - vergangene Woche zog er sich aus dem Team des Republikaners zurück.

Zur Ausgabe
Artikel 55 / 102
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.