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Meckels Mätzchen

aus DER SPIEGEL 32/1990

Bonns Botschafter in Moskau, Klaus Blech, will verhindern, daß das DDR-Außenministerium unter Ressortchef Markus Meckel (SPD) die Bundesrepublik kurz vor der Vereinigung noch kräftig übers Ohr haut.

Es gebe »Bestrebungen in Ost-Berlin«, berichtete Blech der Bonner Zentrale, das »sogenannte Bettenhaus der DDR-Botschaft« in Moskau bei der Vereinigung nicht einfach als Liegenschaft des Staates einzubringen. Vielmehr bemühe sich Ost-Berlin, das Haus an die neugebildete DDR-Außenhandelsfirma »Tecom« zu verpachten. In der »Leitungsetage dieser Firma«, so Blech, hätten »ehemalige hohe Funktionäre des Außenhandelsministeriums sich eine Auffangstellung geschaffen«. Der Diplomat schließt nicht aus, daß es sich hierbei nur um »die Spitze eines Eisbergs« handle.

Weiteres Mätzchen aus dem Meckel-Ministerium: Das ihm unterstellte »Dienstleistungsamt für ausländische Vertretungen«, das über zahlreiche Gebäude und Grundstücke verfügt, schloß mit der Jones Lang Wootton GmbH (JLW) einen Vorvertrag ab. Die DDR-Behörde will der westdeutschen Tochter eines internationalen Immobilienkonzerns für die Dauer von zehneinhalb Jahren gegen saftiges Honorar die Verwaltung aller ihrer Grundstücke und Gebäude übertragen.

Dafür verpflichtet sich die JLW, bevorzugt altgediente Mitarbeiter des Amts weiterzubeschäftigen. Als Zubrot soll die West-Firma bei der Vermittlung von Versicherungen und beim Kauf und Verkauf von Immobilien Provisionen einstreichen dürfen.

Da die Bundesrepublik als Rechtsnachfolger in wenigen Monaten alle vereinbarten Verpflichtungen übernehmen müßte, lehnte der Bonner Finanzminister den Vertragsabschluß als Verstoß gegen den Staatsvertrag ab. Das Bonner Auswärtige Amt urteilte, der Vertrag enthalte »unannehmbare Konditionen«.

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