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Briefe

Mehr als ernüchternd
aus DER SPIEGEL 10/2006

Mehr als ernüchternd

Nr. 8/2006, Regierung: Die enttäuschende Zwischenbilanz der Großen Koalition

Wie nicht anders zu erwarten war, gehen die Flitterwochen der Medien mit Angela Merkel jetzt zu Ende. Frau Merkel hat die leider einzig mögliche Konsequenz aus dem Ergebnis der Bundestagswahl gezogen und die an sich notwendigen Reformen vertagt, hierzu zwingt sie schon die Konstellation einer Großen Koalition. Die einzige Alternative wäre eine Linksregierung (Rot/Rot/Grün) gewesen mit unermesslichen Schäden für das Land. Es regiert das Gesetz des kleineren Übels. So einfach ist das. Mittelfristig spekuliert Frau Merkel offensichtlich darauf, eines Tages mit Hilfe gewachsenen Ansehens und gewachsenen Vertrauens die Deutschen doch noch von der Notwendigkeit einschneidender Reformen überzeugen zu können. Ob diese Rechnung aufgeht, steht dahin.

BAD HOMBURG (HESSEN) DR. KONRAD NEUNDÖRFER

Endlich findet der SPIEGEL zu seinem journalistischen Format und damit zu einer differenzierten Betrachtung der politischen Bühne Deutschlands zurück. Fast klingt es aber, als wunderten Sie sich über Merkels Stillstand. Frau Merkel bestach zu keinem Zeitpunkt durch ökonomischen Sachverstand oder konzeptionelle Stärke. Sie versteht es jedoch, scharf zu analysieren und sich machtpolitisch zu positionieren. Ihr vermeintlicher Erfolg auf internationalem Parkett ist wohl eher der Hoffnung der anderen geschuldet, mit Charme und Respekt etwas dem deutschen Geldbeutel zu entlocken. Das ist der EU bei Merkels erstem Auftritt ja auch gelungen. Die Deutschen kostet es unnötige zwei Milliarden Euro jährlich.

HAMBURG BIRGIT WIESNER

Nach dem Lesen des Artikels war ich erstaunt, Kritik an Angela Merkel zu erkennen. Es schien ja fast, als seien in Deutschland alle zu Jüngern Angies geworden.

REYKJAVíK (ISLAND) TIMO PITTMANN

Die Bilanz der Großen Koalition ist mehr als ernüchternd, sie ist den großen Erwartungen in keiner Weise gerecht geworden. Zu Beginn der Legislaturperiode sah es so aus, als würden die beiden deutschen Volksparteien den ehrlichen Willen haben, die Probleme des Landes ernsthaft zu bewältigen. Mittlerweile ist nicht einmal mehr der schöne Schein geblieben. Jede Koalitionspartei betreibt Klientelpflege und nutzt die Regierungsarbeit, um sich eine möglichst gute Ausgangsposition für die nächsten Wahlen zu verschaffen. Ein großer Wille und große Tatkraft, um große Reformen anzugehen, sind das, was diese Große Koalition braucht, um ihrem Namen gerecht zu werden.

POTSDAM ANDREAS L. SCHLÜTER

Die Kanzlerin Merkel als derzeitige politische Berühmtheit der Bundesrepublik ist nichts weiter als ein künstliches Produkt von Presse und Fernsehen. Sie sind die Designer dieses medial gestylten politischen Glückskindes.

HAMBURG MANFRED HOFFMANN SPD-VORSITZENDER NEUENFELDE

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