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Mehr Charleys Tante

aus DER SPIEGEL 8/1994

Manfred Preuss, 42, Vize der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus und Unternehmer, machte sich um den Fasching verdient - im österreichischen Villach. An nicht weniger als 15 Faschingssitzungen nahm der Christdemokrat teil. Aber nicht als Faschingsprinz. Preuss, im Hauptberuf Chef eines Imperiums von »Seniorenresidenzen«, hatte sich »als eine einmalige Geschichte« einen »Jugendtraum« erfüllt und trat an als löwenmähnige Blondine mit roter Federboa und hochgeschlitztem Kleid - mehr Charleys Tante als Vamp: »Einmal im Leben wollte ich etwas für mich ganz allein machen. Egal was die anderen denken.« Das österreichische Publikum war von den Darbietungen des Hobby-Transvestiten angetan. Beifall heimste der verkleidete Berliner ein, als er einem Kärntner Landespolitiker der SPÖ zuzwinkerte: »Wie nett. Von Ihnen hab' ich schon so viel gehört, aber noch nix gesehen.« Und die Zeitschrift News jubelte, Preuss sei »zur hohen intellektuellen Satire aufgelaufen«. Der CDU-Mann hatte zu einer österreichischen Ministerin gesagt: »Ich trag' meine Narrenkappe nur im Fasching - Sie haben so etwas das ganze Jahr über auf.«

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