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Briefe

Mehr Knete
aus DER SPIEGEL 49/2002

Mehr Knete

Nr. 47/2002, Sozialpolitik: Leere Kassen bei der Pflegeversicherung

Seit vier Jahren bin ich mit der zunehmenden Demenz meiner Mutter konfrontiert. Inzwischen lebt sie in meinem Haushalt, was ich durch Aufgabe meiner Berufstätigkeit ermöglicht habe. Es hat nicht mehr als sechs Monate gedauert, um zu erkennen, dass das Leistungsangebot der ambulanten Dienste für Demenzkranke und ihre Angehörigen gänzlich unbrauchbar, das heißt, wenn man es dennoch in Anspruch nimmt, wirtschaftlich einfach unsinnig ist. Es ist beunruhigend, dass selbst eine so junge Einrichtung wie die Pflegekasse schon nicht mehr in der Lage ist, wirtschaftlich im Interesse aller Versicherten zu denken und schlichten Sachverstand walten zu lassen. Solange die Pflegekasse seelenruhig lieber eine Heimeinweisung zum vollen Pflegesatz hinnimmt, statt die weniger teure Pflege zu Hause sachgerecht zu unterstützen, rate ich davon ab, sich für ein Ehrenamt begeistern zu lassen.

GOTTESGABE (BRANDENBURG) CHRISTIANE MEIERJOHANN

Als Altenpfleger im ambulanten Dienst kann ich Ihre Aussagen bezüglich Image und vor allem Bezahlung unseres Berufs nur unterstreichen. Dabei ist das Problem des Pflegefachkräftemangels ganz einfach zu beheben: Mehr Knete - dann steigt auch das Image! Ein wichtiger Aspekt zur Verteuerung der Pflege alter Menschen ist jedoch in dem Artikel nicht erwähnt: das Überhandnehmen administrativer Tätigkeiten, vor allem das sinnlose Erstellen und Evaluieren von Pflegeplanungen, zunehmender Papierkrieg und Zeiteinsatz für Verordnungen für Krankenpflege, und das bei gleich bleibend niedrigen Kostensätzen.

BARTHOLOMÄ (BAD.-WÜRTT.) ALBRECHT V. DECHEND

Es sei bei der Spardiskussion innerhalb der Sozialsysteme der Hinweis gestattet, dass auch Pflegebedürftige Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen, die zuvor entweder keinen oder einen unwesentlichen Beitrag aufgebracht haben. Zusätzlich bleibt unberücksichtigt, dass dieser Personenkreis keineswegs selten Barvermögen und Grundbesitz sein Eigen nennt, was bei der Leistungsbemessung im Unterschied zur Sozialhilfe offensichtlich weitgehend ohne Beachtung bleibt. Das Solidarsystem ist keineswegs im Lot.

MÜNSTER (HESSEN) PETER BURKARD

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