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Fernsehen Mehr Macht für Kogel

aus DER SPIEGEL 21/1996

Sat-1-Programmchef Fred Kogel hat seinen Machtbereich im Sender weiter ausgedehnt. Zusätzlich zu der bisher nicht sonderlich erfolgreichen Programmplanung für die Sendungen des Privatkanals (der Marktanteil an der Gesamtzuschauerzahl lag im April mit 14,3 Prozent erneut 0,2 Punkte niedriger als im Vorjahr) wird er sich ab sofort auch um den Verkauf von Werbezeiten kümmern. Das beschloß jetzt der Aufsichtsrat des Senders. Die Abteilung Sales und Services, bisher am Mainzer Unternehmenssitz im Bereich von Hauptgeschäftsführer Hans Grimm angesiedelt, gehört jetzt inklusive des Bereichs Markt- und Programmforschung zu Kogel, der auch für Programm-PR verantwortlich zeichnet. Erst vergangene Woche übernahm Kogel die Aufgaben des scheidenden Marketingchefs Matthias Neumann. Damit unterstehen ihm jetzt mehr als 50 Prozent der Mitarbeiter des Senders. Bei Geschäftsführer Grimm verblieben nunmehr die Ressorts Finanzen, Verwaltung, Personal, Unternehmensplanung und Recht. Der dritte Geschäftsführer, Jürgen Doetz, kümmert sich um Medienpolitik, Unternehmens-PR und die Beteiligungen des Senders. Kogel sieht den Aufgabenzuwachs als »etwas ganz Normales«. Jan Körbelin, Programmchef von Pro Sieben widerspricht. Für seinen Sender gibt es eine eigene Vermarktungsfirma, die MGM. Körbelin: »Es ist wenig sinnvoll, diese Bereiche in einer Person zu bündeln. Da fehlt dann die gesunde Diskussion zwischen den zuschauerorientierten Programmleuten und den Verkäufern, die das Kundeninteresse im Auge haben.« RTL-Chef Helmut Thoma, dessen Sender ebenfalls nicht im eigenen Haus, sondern von dem externen Unternehmen Ipa-plus vermarktet wird, hält die Sat-1-Entscheidung für »absurd«. Thoma: »Das gibt es nirgendwo im Mediengewerbe. Da prasseln doch die Kundenwünsche ungefiltert ins Programm.«

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