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Atomkraft Mehr Müll für Morsleben

aus DER SPIEGEL 17/1995

Die Bundesregierung will das atomare Lager in Morsleben (Sachsen-Anhalt), das seit der Vereinigung von der bundeseigenen Gesellschaft für Endlagerung betrieben wird, wieder für mittelradioaktive Abfälle nutzen und so das niedersächsische Endlager Schacht Konrad überflüssig machen. Damit hebt der Bund seine Zusage aus dem Jahr 1991 auf, aus Sicherheitsgründen lediglich schwach radioaktive Abfälle in Morsleben zu lagern.

Zu DDR-Zeiten waren in den Salzstock schwach- und mittelradioaktive Atomabfälle »in handelsüblicher Verpackung« wie Kartons und Fässern gekippt worden. Flüssige Abfälle versickerten.

Sachsen-Anhalts Umweltministerin Heidrun Heidecke kritisiert, durch den Bonner Beschluß würde »Atomabfällen, die bisher ausgeschlossen waren, Tor und Tür geöffnet«. Erst Anfang April erfuhr die für die Genehmigung der Anlage zuständige Bündnis-Grüne, daß die Bundesgesellschaft bereits seit Dezember 1994 in Morsleben wieder Fässer an Stellen deponiert hat, die für eine Endlagerung nicht geeignet sind. Auch Abfälle aus dem Ausland haben die Morsleben-Betreiber angenommen: Am 6. April kamen Fässer aus dem belgischen Mol an.

Der Bund beruft sich auf eine Dauerbetriebsgenehmigung der DDR von 1986, die die Einlagerung bis zur »Strahlenschutzgruppe S 5« zuläßt, für Versuchsfälle erlaubt sie sogar die Einlagerung von hochradioaktiven Substanzen. Ministerin Heidecke: Gerade die Bonner Umweltministerin Angela Merkel (CDU) »als ehemalige DDR-Bürgerin muß doch wissen, daß die Wahl des Ortes und die Genehmigung der Anlage unter den politischen Zwängen der DDR entstand«. Heidecke läßt jetzt in ihrem Hause prüfen, ob sie mit neuen Auflagen für Morsleben den Betrieb stoppen kann.

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