Zur Ausgabe
Artikel 62 / 121
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Argentinien Menems Streit um eine Katze

aus DER SPIEGEL 21/1996

Ein Bericht des argentinischen Fernsehsenders Canal 13, der Slumbewohner beim Essen von Katzenfleisch zeigt, hat einen Streit um die Wirtschaftspolitik des Präsidenten Carlos Menem ausgelöst. Menems rigorose Sparpolitik hat zwar die Inflationsrate auf 1,6 Prozent gedrückt, dafür aber ein Arbeitslosenheer geschaffen, das in Großstädten wie Rosario nordwestlich von Buenos Aires ein Viertel der erwerbsfähigen Bevölkerung ausmacht. Reporter berichteten über Bewohner eines Elendsviertels, die eine Katze häuten, zerlegen und grillen. Menem beschimpfte die Journalisten deshalb als »Verräter, die Argentiniens internationales Ansehen in den Schmutz ziehen«. Er behauptete, die Szenen seien gestellt worden, die Fernsehleute hätten den Armen 100 Dollar Honorar gegeben. Die Caritas beschuldigte den Präsidenten daraufhin, er unternehme nichts gegen die Armut. In Rosario, wo es schon Ende der achtziger Jahre zu Hungeraufständen gekommen war, verteilt die Stadt täglich 28 000 Essen - bei weitem nicht genug. Die Journalisten, die den Katzenschmaus gezeigt haben, schoben unterdessen einen neuen Film nach: Er zeigt Frauen, die angeblich aus Geldnot ihre Babys verkaufen.

Zur Ausgabe
Artikel 62 / 121
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.