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Briefe

Menschenpark der Halbgötter
aus DER SPIEGEL 12/2001

Menschenpark der Halbgötter

Nr. 10/2001, Biotechnologie: In der Bundesregierung eskaliert der Streit um die Fortpflanzungsmedizin; Klonen: Das letzte Tabu fällt

Würden sich Politiker, Ethiker, Theologen, Philosophen, Mediziner und auch Wissenschaftler auch nur am Rande mit Evolutionsbiologie beschäftigen, wäre der Argumentationsnotstand wesentlich geringer und der Sachverhalt deutlich klarer. Die Vielfalt der existierenden Genvarianten (Allele) ist und bleibt unser Kapital für die Zukunft der Menschheit, und eine künstliche Reduktion dieser Vielfalt wäre evolutionsbiologischer Unsinn. Im Gegensatz dazu sind »Monokulturen« höchst anfällig, und der durch den Menschen verursachte Mangel an Genvarianten ist mit ausschlaggebend für das explosive Artensterben in der Natur.

MÜNSTER PROF. JÜRGEN BROSIUS

Man sollte alle Befürworter des Klonens zu einem Kongress einladen und sie dann nur um Folgendes bitten: All diejenigen sollen aufstehen, die als Klon ihrer selbst leben wollen - ich bin überzeugt davon, dass alle sitzen blieben.

NEUBIBERG (BAYERN) SUSANNE ZETZL

Wenn Ärzte zukünftig über die Beschaffenheit eines Menschen entscheiden und dessen genetische Merkmale bestimmen können, dann befinden wir uns in einem Menschenpark. Es bleibt nur zu hoffen, dass dieses Szenario der Halbgötter in Weiß niemals Realität wird.

LÖRRACH (BAD.-WÜRTT.) NIELS TRÖGER

Früher nannten wir es Inzucht und meinten damit Stillstand oder Rückschritt. Heute nennen wir es Klonen und meinen damit Fortschritt. Bin gespannt, wann der Fortschritt als Rückschritt erkannt wird.

ST. PETER-ORDING DR. JUTTA PABST

Da sitzen die deutschen Bischöfe zusammen, klönen und denken über das Klonen nach. War der erste Klon nicht Jesus, den sie Christus nennen, unbefleckt empfangen vom Heiligen Geist?

KALL (NRDRH.-WESTF.) HEINER REDDEMANN

Die Vielfalt der Natur langweilt sich mit der Neuauflage eines alten Schinkens nur zu Tode. Glücklicherweise ist der Mensch erst jetzt auf diesen dummen Gedanken gekommen, sonst hätte der SPIEGEL diesen Artikel vielleicht in Schiefer ritzen müssen.

MÜNCHEN HELLMUTH SPECHT

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